Hans Rudolf Hess

Schletti

Roman.
Bern: Zytglogge 1986
128 Seiten. CHF 24.-

 

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Ein Reporter wird von einem Zeitungs-Verleger auf eine Geschichte angesetzt:

Schletti, Buchantiquar, ist eines Tages, nachdem ein Kunde die "Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff verlangt hat, spur los in seinem Bücherregal verschwunden. Der Reporter recherchiert und wird immer mehr in die Anschauungsweise von Schlettis Bruder und der Freundin des Antiquars hineingezogen. Sie scheinen mit Schlettis Verschwinden gerechnet zu haben, zeigen sich davon nicht betroffen, unternehmen nichts, um die Sache aufzuklären. Jedermensch hat das Recht, durch die Wände der Bücherregale auszutreten. Der Reporter spürt, dass er hier auf etwas Unfassbares gestossen ist, auf etwas, das sich nur oberflächlich und unzureichend erklären lässt. Er wird der halbtotalen Sicht seiner verbalen Möglichkeiten bewusst, gibt es auf, eine Reportage zu schreiben. Als er die Geschichte dieses faszinierenden Schletti-Nihilismus, der an den heiligen und profanen Werten rüttelt und der nichts als zum vornherein unmöglich betrachtet, diese Geschichte muss er loswerden. Bei einigen Stangen Bier vis-a-vis eines unbekannten Mannes. An einem Tisch im Bahnhofbuffet.

"Der Feind heisst Nihilismus" schrieb die Philosophin Jeanne Hersch in ihren Anti-Thesen zu den Jugendunruhen 1980. Hier ist er. Hans Rudolf Hess beweist in grossartiger Weise, wo die "wahre" Philosophie steckt: in der erweiterten Halbtotalen - der Weiterung.