Auf die
Anfrage, das eigene Werk zu resensieren, erschien in der Zytglogge-Zytig
im Mai 1986 das folgende Interview und Textbeispiel:
SCHLETTI
oder
Der Erkenntnisdrang im Windfang des Bahnhofbuffets als erste Stufe der
erweiterten Halbtotale
Ein Interview mit mir selbst
Frage: Herr Hess, im Frühlingsprogramm des Zytglogge Verlags
erschien Ihr erster Roman Schletti. Inwiefern erheben Sie Anspruch auf
Glaubwürdigkeit?
Antwort: Eh,ich...
Frage: Oder konkreter gefragt: Sie bezeichnen sich als Anarchisten.
Wo sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der apolitischen Nichtfestlegbarkeit
im Roman und Ihrem politischen Credo?
Antwort: Sie verkennen ...
Frage: Es lässt sich ja wohl nicht leugnen, dass dem Roman
jede Dialektik abgeht; kein historischer Hintergrund. keine eindeutige
politische Stellungnahme. Statt dessen driften Sie ab in Irrationalismen,
dunkles Ungefähr mit schummrig philosophischer Intention. Die Aufklärung
scheint an Ihrem geschichtlichen Bewusstsein vorbeigeglitten zu sein
ohne die geringsten Spuren hinterlassen zu haben. Wollen Sie zurück
ins Mittelalter?
Antwort: lm Gegenteil. Ich ...
Frage: Das inhaltliche Gewirr vertiefen Sie zudem mit einem übertriebenen
formalistischen Getue. Indem Sie Ihren Roman mit einer völlig hirnrissigen
Konstruktion befrachten, droht der Dampfer jeden Moment abzusaufen,
und es ist zweifellos eine Zumutung für jeden Leser, hier mitzugondein,
ha, ha!
Antwort: Aber ich ...
Frage: Ich, ich, Sie sagen immer nur "ich". Sie halten
wohl grosse Stücke auf sich?
Antwort: Nein, ich . . .
Frage: Schon wieder!
Antwort: Ich verbitte mir ...
Frage: Ich stelle nur fest. Doch eine letzte Frage noch zu Ihrem
Roman. Welchen Stellenwert nimmt die Heiterkeit in Ihrem Buch ein, und
was sagen Sie zum Lachen im Allgemeinen?
Antwort: Ich möchte ...
Frage: Ja, wir möchten wohl alle. Aber eben. Herr Hess,
wir danken für das Gespräch.

Denn, sagte
Otto, wir müssten uns fragen, was denn hier so handfest und fassbar
sei, dass einer sagen könnte: 'So ist es!' und den Beifall im Rücken
wissend die Szene verlassen könnte?
Ich wandte ein, das sei doch der Normalfall. In der Wissenschaft und
in der Politik. überall würden eben jene Leute bestaunt und
beklatscht, die mit Bestimmtheit sagen, etwas sei genau so und so.
'Ja leider', sagte Otto, 'deshalb tun wir uns auch mit der Ehrlichkeit
so schwer. Ehrlichkeit ist unsicher und Unsicherheit verdächtig.
Man muss sicher sein. sonst ist man krank. Dabei basiert doch alles
auf Ideologien. Einer behauptet, eins und eins sind zwei, und auf diesen
sandigen Grund baut man ganze Weltbilder. Es gab eine Zeit, da hat man
jene Leute bestenfalls ausgelacht, die behaupteten, die Erde sei rund.
Ich hoffe nur. dass die Menschheit noch die Gelegenheit haben wird,
über das heutige Weltbild und die heutigen Vorstellungen zu lachen
und die heutige Zeit als finsteres Mittelalter zu bezeichnen.'