Matthaey, Heinrich,
Das akademische Studium des Malers, seine Vorbildung und seine Hülfswissenschaften. Für junge Künstler, Dilettanten und Kunstfreunde. 3., gänzlich umgearbeitete Auflage. Weimar: Voigt, 1869. XII, 256 Seiten mit einigen Figuren im Text. Fraktursatz. Handbeschrifteter privater Halbleinenband. 225 x 146 mm.
* Der auf dem Titelblatt erwähnte "Atlas, enthaltend 24 Tafeln" ist nicht enthalten. Besitzvermerk des Emmentaler Malers Hans Gartmeier. - Gebrauchsspuren, gebräunt.
Bestell-Nr.161674
Matthaey |
Kunsttechniken |
Kunsttheorie |
1850-1899
Zusammenfassung des Vorworts von Heinrich Matthaei (Leipzig, Mai 1868):
Ziel und Philosophie des Werkes
Matthaei betont, dass es sich bei dieser Neuauflage von Hertels Werken nicht um eine bloße Überarbeitung, sondern um eine völlige Neuschöpfung handelt. Seine zentrale These ist, dass wahre Kunst nicht durch das Auswendiglernen technischer Handgriffe oder Farbenrezepte erlernt werden kann. Vielmehr muss zuerst der „schaffende Geist der Kunst“ im Lernenden geweckt werden; die Technik sei nur das Mittel, das dieser Geist sich selbst schafft. Das Buch richtet sich daher nicht nur an angehende Künstler, sondern an alle bildungssuchenden Menschen, um ihren natürlichen Kunstsinn zu stärken und das Verständnis für Kunst zu vertiefen.
Struktur und Inhalt
Das Werk ist in zwei in sich abgeschlossene, aber miteinander verbundene Teile gegliedert:
1. Das akademische Studium: Dieser Teil stellt die Kunst in einen breiten Kontext mit dem Leben, der Philosophie und der Geschichte. Matthaei argumentiert, dass Kunst „veredeltes Leben“ ist und daher Wissen aus allen geistigen Bereichen benötigt. Dazu gehören auch Hinweise auf wenig bekannte Bücher sowie Karten von Altgriechenland, um den Leser im „Vaterland der Kunst“ heimisch zu machen.
2. Das praktische Studium: Hier werden die Hilfswissenschaften behandelt, darunter Anatomie (basierend auf Prof. Dr. B. B. Seiler, beschränkt auf sichtbare Muskeln), Baukunst und die Anfangsgründe der Perspektive. Der zweite Teil des Gesamtwerkes wird sich spezifisch der Malerei widmen.
Verteidigung und Hoffnung
Der Autor rechnet mit Kritik, insbesondere wegen der Einbeziehung der Philosophie (der „gesunden Vernunft“ nach Schelling), verteidigt dies jedoch als notwendig, um die Wahrheit in der Kunst zu erfassen. Er schreibt bewusst für ein gemischtes Publikum (Jünglinge, Frauen, Jungfrauen) unter Wahrung höchster Sittsamkeit. Abschließend drückt Matthaei die Hoffnung aus, dass sein Buch dazu beiträgt, die Liebe zur Kunst zu mehren, da er überzeugt ist, dass dort, wo die Kunst heimisch ist, auch Gesittung, Frieden und Freiheit Einzug halten.
Inhaltsverzeichnis [Die Tafeln sind nicht vorhanden!]
Vorwort
Erstes Buch
Zehn Unterhaltungen über Kunst, Künstler und Dilettantismus, Geschichte und Philosophie der Kunst etc.
I. Was ist Kunst und ihr Alter
II. Griechenland, die Bibel und Angaben
III. Seflas, Struktur und die Zerröcher
IV. An die Antike sich knüpfende Reflexionen
V. Die Kunst der Griechen und die moderne Photographie
VI. Die Philologie in der Kunst
a. Der Weg und die Erkenntniskraft des Künstlers
b. Die Anwendung der Erkenntnis auf die Kunst
c. Die Reformation und die Kunst
d. Berücksichtigung der Wirkung nach gleichem Ziele
VII. Die Religion in der Kunst
VIII. Die Kunst bei den Griechen und die Kunst gegenüber der modernen Bildung
IX. Der Dilettantismus und die Mittel der Kunst, geeignet in den Werken der Kunst
X. Die Künste und der Künstler
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Zweites Buch
Das praktische Studium des Künstlers
- Vorbereitung
- Vorschule in der Gesellschaft
- A. Das akademische Studium
1. Der Zeichensaal
- Einführung
- a. Geräth und Material
- b. Die Haltung oder Stellung beim Zeichnen
- c. Der Unterricht
2. Der Gypssaal
- a. Lagebeleuchtung
- b. Nebenbeleuchtung
3. Der Aktssaal
- B. Die Klinik
- Menschliche Anatomie
1. Osteologie(Taf. X, Fig. 27. Das Skelett in der Vorderansicht)
- a. Der Kopf
- β. Der Rumpf
- γ. Die oberen Gliedmaßen
- δ. Die unteren Gliedmaßen
2. Taf. XI, Fig. 29. Die Rückseite des Skeletts
- a. Der Kopf
- β. Der Rumpf
- γ. Die oberen Gliedmaßen (S. 204)
- δ. Die unteren Gliedmaßen (S. 205)
- Taf. XII, Fig. 31. Seitenansicht des Skeletts
- a. Caput (S. 206)
- b. Truncus (S. 207)
- c. Obere Extremitäten (S. 208)
- d. Untere Extremitäten (S. 209)
- Fig. 33. Die Hand vom Rücken
- Fig. 34. Die Hand von der Seite
- Fig. 35 und 36. Fuß von der Seite und von unten
- Fig. 42 und 43. Kopf von vorn und von der Seite
3. Myologie(S. 210)
- Taf. X, Fig. 28. Der Muskelkörper von vorn
- a. Caput (S. 211)
- b. Truncus (S. 212)
- c. Obere Extremitäten (S. 213)
- d. Untere Extremitäten (S. 214)
- Taf. XII, Fig. 32. Der Körper von der Seite
- Fig. 37. Rücken der Hand
- Fig. 38. Hand von der Seite
- Fig. 39. Handrücken mit Daumen
- Taf. XIII, Fig. 40. Fuß von der Seite, Fig. 41. Fußsohle
- Taf. XIV, Fig. 44. Der Kopf
- C. Schöne Baukunst(S. 215)
- Dorische Ordnung (Taf. XIV)
- Ionische Ordnung (Taf. XV)
- Korinthische Ordnung (Taf. XVI)
- Korinthische Ordnung bei den Römern (Taf. XVII, Fig. 73)
- Römische Ordnung (Taf. XVIII, Fig. 74)
- Attischer Fuß (Fig. 77)
- Fig. 78. Konstruktion des korinthischen Kapitells
- Fig. 79. Älteste Bauweise. Säule aus dem Schatzhaus des Atreus
- Fig. 80. Säule vom Palast zu Persepolis
- Fig. 81. Deckelchen
- Fig. 82. Grabmal in Lykien
- Fig. 83 und 84. Konstruktion des Karnies
- D. Die Anfangsgründe der Perspektive
1. Vom Auge
2. Von der Grundlinie und dem Standpunkte
3. Vom Augenpunkte
4. Die Horizontlinie
5. Die Distanzpunkte
6. Beispiele
7. Perspektivische Aufgaben
- Taf. XIX, Fig. 100–108. Erste Aufgabe
- Taf. XXI, Fig. 109–110. Zweite Aufgabe
- Taf. XXII, Fig. 111–113. Dritte Aufgabe
- Taf. XXIII, Fig. 114–115. Vierte Aufgabe
- Taf. XXIV, Fig. 116. Fünfte Aufgabe
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Zum Atlas
- Taf. I. Karte von Altgriechenland
- Taf. XII. Plan der alten Athen und der Akropolis