Schmuzer, Jacob Xaver,
Amphibien X [Tafel X. Die Abgottschlange und der Hundskopf (Boa constrictor & Corallus caninus)]. [Wien: Verlag Anton Pichler], [ca. 1810]. Handkolorierter Kupferstich. Blattgrösse 251 x 203 mm. Plattengrösse 224 x 175 mm. In Passepartout aus gefaltetem Halbkarton. 410 x 406 mm.
* Einzelblatt aus einer Wiener Ausgabe von Friedrich Justin Bertuchs „Bilderbuch für Kinder" (Bilderbuch zum Nutzen und Vergnügen der Jugend. Oben: „Amphibien X.“, „Amphibia X“, „Amphibies X.“ Signiert unten rechts mit „Jacob Xaver Schmuzer" und der Zusatzbezeichnung "VI.B. 35".
Bestell-Nr.161698
Schmuzer |
Originalgraphik |
Stiche |
Kupferstich |
Zoologie |
Boaschlange
Im Gegensatz zur ursprünglichen Weimarer Ausgabe handelt es sich hier um einen meisterhaften Nachstich der Wiener Künstlerfamilie Schmuzer. Die Tafel zeichnet sich durch eine besonders feine Linienführung und eine sorgfältige, zeitgenössische Kolorierung aus.
Die Darstellung zeigt zwei Schlangenarten der Tropen:
Fig. 1: Die Abgottschlange (Boa constrictor) in charakteristischer Windung.
Fig. 2: Die Grüne Hundskopfboa, detailliert in ihrer typischen Ruheposition dargestellt.
Die Kennzeichnung „VI. B. 35.“ (6. Band, No. 35) weist dieses Blatt als Teil einer späteren, erweiterten Sammelausgabe des Wiener Verlegers Anton Pichler aus.
Originaltext:
Amphibien. X. / B. VI. No. 35.
FURCHTBARE SCHLANGEN.
Die beyden auf der vorliegenden Tafel abgebildeten Schlangen gehören zu dem Geschlechte der Riesenschlangen, die wegen ihrer ungeheuern Grösse und Kraft diesen Namen mit Recht führen. Sie sind übrigens nicht giftig.
Fig. 1. Die Abgottschlange.
(Boa constrictor.)
Die Abgotts- oder Königsschlange ist die gröste und stärkste nicht blos ihres Geschlechts, sondern aller Schlangen überhaupt. Sie erreicht eine Länge von 40 bis 50 Fuss, und wird, ausgewachsen, Mannsdick. Südamerika, Indien und die Inseln des indischen Meeres sind das Vaterland dieser furchtbaren Schlange. Ihre Nahrung besteht aus Rehen, jungen Büffeln, Antilopen und andern Thieren. Auf diese lauert sie auf Bäumen versteckt, schiest dann, so wie sie sich nähern, auf sie herab, fällt sie mit den am After befindlichen Klauen fest, und schlingt sich so fest um sie herum, dass jene ersticken müssen. Dann saugt sie alles Blut aus, zerquetscht durch ihre erstaunliche Kraft alle Knochen des Körpers, überzieht hierauf das Thier mit einem aus ihrem Rachen fliessenden Schleim, und schlingt es dann so ganz hinunter. In Ermangelung grösser Thiere frisst sie auch Eidechsen, Vögel und andere kleine Schlangen. Die Färbung ihrer Haut besteht aus unregelmässigen dunkelkirschrothen, gelben, weiss und aschblauen Flecken und Streifen. Wegen ihrer Schönheit wird diese Haut, da die Farben überdem noch glasartig glänzen, in jenen Ländern sehr hoch geschätzt, und im Handel theuer verkauft.
Die Südamerikaner erweisen dieser Schlange wegen ihrer Furchtbarkeit göttliche Ehre, wovon sie auch den Namen Abgottschlange hat.
Fig. 2. Der Hundskopf.
(Boa canina.)
Die Hundskopfschlange oder auch Bojobi gehört gleichfalls zum Geschlechte der Riefenschlangen. Den Namen hat sie von der Ähnlichkeit ihres Kopfes mit dem eines Hundes. Ausgewachsen erreicht sie beynahe die Grösse der vorigen. Ihre Farbe ist ein schönes Seladongrün mit weissen Flecken. Nahrung, Aufenthalt und übrige Lebensart hat sie mit der Abgottschlange gemein.