Bauer, Otto,
Zwischen zwei Weltkriegen? Die Krise der Weltwirtschaft, der Demokratie und des Sozialismus. Bratislava: Eugen Prager Verlag, 1936. 355 Seiten. Englische Broschur. 209 x 138 mm.
* Gebräunt, das vordere Deckblatt des Papierumschlages ist lose und mit Rissen, Besitzvermerk auf dem Vortitelblatt, stellenweise Anstreichungen.
Bestell-Nr.161649
Bauer |
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XX Jahrhundert |
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Austromarxismus
In seinem Spätwerk "Zwischen zwei Weltkriegen?" unternimmt Otto Bauer den Versuch, die tiefe Krise seiner Epoche zu analysieren. Das Buch, das er im Exil verfasste, ist eine scharfsinnige Diagnose der katastrophalen Entwicklungen der 1930er-Jahre. Bauer untersucht darin das Zusammenwirken von Weltwirtschaftskrise, dem Versagen der Demokratie und der Krise der sozialistischen Idee. Der programmatische Titel mit dem Fragezeichen verdeutlicht seine Unsicherheit über den weiteren Geschichtsverlauf am Vorabend eines möglichen neuen Krieges. Das Werk gilt als ein zentraler Text des Austromarxismus, in dem Bauer nach einem "dritten Weg" für die Arbeiterbewegung jenseits von Stalinismus und reformistischer Sozialdemokratie suchte. Ein prägnantes Zitat aus dem Buch verdeutlicht seine Überlegungen zur revolutionären Chance in Kriegszeiten:
"So gewiß der Sozialismus alles daransetzen muß, den Krieg so weit als möglich hinauszuschieben, so gewiß muß er die Arbeiterklasse zu der Bereitschaft erziehen, die Erschütterung der kapitalistischen Gesellschaft, des kapitalistischen Staates, des staatlichen Gewaltapparats durch einen Krieg zur Eroberung der Staatsmacht und damit zur Befreiung des Proletariats auszunützen"https://ottobauer.works
Otto Bauer wurde am 5. September 1881 in Wien als Sohn einer jüdischen Fabrikantenfamilie geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und Nationalökonomie und promovierte 1906. Schon früh wurde er zum führenden Theoretiker der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) und zum Hauptvertreter des Austromarxismus, der einen demokratischen Weg zum Sozialismus suchte. Nach dem Ersten Weltkrieg, den er teilweise in russischer Kriegsgefangenschaft verbrachte, wurde er 1918/19 Außenminister der Republik Deutschösterreich und setzte sich vergeblich für einen Anschluss an Deutschlandein. Bis 1934 blieb er der intellektuelle Kopf der SDAP. Nach der Niederschlagung des sozialdemokratischen Februaraufstandes musste er ins Exil fliehen, zunächst nach Brünn, dann nach Paris, wo er am 4. Juli 1938 an einem Herzinfarkt starb.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Seite 7
Die Krise der Weltwirtschaft
- Prosperität und Krise nach dem Weltkrieg 11
- Revolution und Konterrevolution der Warenpreise 20
- Die Krise der Landwirtschaft 36
- Die Krise der Industrie 42
- Diagnose der Krise 51
- Die „dirigierte“ Wirtschaft 66
- Prognose der Krise 79
Die Krise der Demokratie
- Die bürgerliche Demokratie 94
- Der Faschismus 113
- Die Diktatur des Proletariats 142
- Die Krise einer Kultur 168
- Sozialismus und Demokratie 190
- Der Krieg 214
Die Krise des Sozialismus
- Revolutionärer und reformistischer Sozialismus 233
- Zwei Revolutionen 266
- Die Spaltung des Sozialismus 285
- Integrler Sozialismus 312
- Ein Nachwort nach Österreich 336
Anhang
Seite 350