Gesell, Silvio,
Die Ausbeutung, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung (eine Gegenüberstellung meiner Kapitaltheorie und derjenigen von Karl Marx). Vortrag geh. in d. sozialistischen Vereinigung zur gegenseitigen Weiterbildung in Dresden, 8. Mai 1922. Bern: Pestalozzi-Fellenberg-Haus, 1922. 48 Seiten. Broschur mit Klammerheftung. 196 x 130 mm.
* Vortrag gehalten in der. sozialistischen Vereinigung zur gegenseitigen Weiterbildung in Dresden, 8. Mai 1922.
Bestell-Nr.161839
Gesell |
Freiwirtschaftslehre |
Reformbewegungen
Vorwort zu Silvio Gesells Schrift "Die Ausbeutung, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung" (1922):
Gesell beginnt mit dem Bild des Kapitalisten, der sich vom Hochgenuss des Daseins leiten lässt, während der Proletarier auf Hoffnung angewiesen ist. Er kritisiert scharf Kautskys Haltung, das Proletariat solle sich geduldig dem Kapitalismus unterordnen und auf dessen "Reifeprozess" warten – ein Prozess, den Gesell als reinen Fäulnisprozess entlarvt, der historisch schon ganze Reiche (Rom, Babylon, Ägypten) zugrunde gerichtet habe.
Trotz erschüttertem Vertrauen in die Führer hielten die Arbeiterorganisationen noch durch, in der Hoffnung auf rechtzeitiges Handeln. Gesell argumentiert, dass die marxistische Kapitaltheorie selbst zur hoffnungslosen Schlussfolgerung führe: Da die kommunistische Wirtschaftsordnung an der unveränderlichen Natur des Menschen scheitere, bleibe der Zukunftsstaat ein unerreichbares Ideal – Ausbeutung müsse man dann wie Naturkatastrophen einfach ertragen.
Eine letzte Hoffnung bleibe jedoch: dass sich in Marx' Kapitaltheorie ein Fehler eingeschlichen habe, erkennbar an den Widersprüchen zwischen Band I und Band III des "Kapital". Die Hoffnung richte sich darauf, dass der "ältere", erfahrene Marx (Band III) den "jüngeren" Marx (Band I, noch Schüler der Vulgärökonomie) widerlege und damit den Weg für neue wissenschaftliche und proletarische Erkenntnisse freimache – genau dies will Gesell mit seiner eigenen Kapitaltheorie leisten, die er der marxschen gegenüberstellt.