Hoegger, Peter,
Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band VIII. Der Bezirk Baden III. Das ehemalige Zisterzienserkloster Marisstella in Wettingen. Basel: Wiese, 1998. XVI, 479 Seiten mit Abbildungen und Register. Leinen. 4to. 1504 g
* Die Kunstdenkmäler der Schweiz; 92. - Herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte
Bestell-Nr.155316 | ISBN: 3-909164-65-X
Kunstdenkmaeler GSK |
Kunstgeschichte |
Kunstdenkmaeler GSK |
Helvetica |
Schweiz |
Aargau |
Argovia
Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band VIII Der Bezirk Baden III
von Peter Hoegger
Das ehemalige Zisterzienserkloster Wettingen
Die 1227 gegründete, 1841 aufgehobene Abtei Wettingen gehört in eine Reihe von mehr als siebenhundert Klostergründungen, die der Zisterzienserorden während des Hoch- und Spätmittelalters in Europa vollzogen hat. Acht davon sind auf dem Gebiet der heutigen Schweiz erfolgt, fünf sind in wesentlichen Teilen ihrer Gebäude noch heute fassbar (nebst Wettingen Bonmont. Hauterive, Kappe! und St. Urban).
Der neue aargauische Inventarband würdigt die Kunst des Limmatklosters unter Berücksichtigung ihrer geschichtlichen und ordensgeschichtlichen Faktoren. Besondere Sorgfalt widmet er der spätromanisch-frühgotischen Gründungsanlage, deren Bauplan auf Anregungen des burgundischen Zisterzienserklosters Morimond zurückgeht und noch heute mit aller Deutlichkeit die interessanten Funktionen einer mittelalterlichen Mönchssiedlung anschaulich macht. - Die in groben Zügen seit längerem bekannte nachmittelalterliche Baugeschichte gewinnt dank neuen archäologischen und archivalischen Forschungen ein deutliches Profil. Dabei wird die überragende Rolle klar, die Wettingens Reformabt Peter Schmid als tiefernster Kirchenmann, kluger Ökonom und ambitiöser Bauherr gespielt hat (1594-1633). Der auf seine Verfügung geschaffene umfängliche Stukkaturenzyklus in Kirche und Kreuzgang ist manches zugleich: Kunstwerk aus einem ungewohnten Werkstoff. didaktisches Programm und Spiegel des Selbstverständnisses einer starken Prälatenpersönlichkeit. Vor allem aber zeigt er, auf welche Art sich ein «neues». «repräsentatives» Kloster schaffen liess zu einer Zeit, in welcher Abbruch und vollständiger Neubau ganzer Klosteranlagen noch kein Mittel gegenreformatorischer Bemühungen waren. - Mehrere Kapitel gelten der seit 1651 schubweise erfolgten Erneuerung des Klosters, die unter Abt Peter Kälin um 1755 ihren Höhepunkt erreichte und durch die Wettingen unter der Ägide süddeutscher Maler und Bildschnitzer zu einem Glanzstück spätbarocker Raumkunst wurde.
Künstler und Ateliers aus allen benachbarten Kulturregionen hatten Anteil an der mehr als sechshundert Jahre langen Geschichte des Klosters. Die Werkmeister für den Gründungsbau fanden sich im nahen Zürich; die Schöpfer der ältesten Goldschmiedearbeiten, Buchillustrationen und Glasgemälde entstammten Werkstätten der Bischofsstädte Konstanz und Strassburg. Mit dem renommierten Kabinettscheibenzyklus des Kreuzgangs sind die Namen Hans Holbeins des Jüngeren in Basel und Hans Funks in Bern verbunden; das Renaissance-Chorgestühl ist in Gemeinschaft des Kölner Kunstschreiners Jakob Guckeisen und des Badener Bildhauers Bartholomäus Cades entstanden. Wichtig für die Kunstgeschichte unseres Landes war die Tätigkeit des Brüderpaars Antonio und Pietro Castelli, das im Wettinger Stuckprogramm seine Herkunft aus Italien und München verrät. Die Schnitzwerke des aus Schwaben herbeigerufenen Franz Anton Kälin und die Fresken seines Landsmannes Eustach Gabriel zeigen schliesslich, dass man im 18. Jahrhundert in Wettingen, wie anderswo, die Meisterschaft süddeutscher Künstler besonders schätzte.
Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau
I. Die Bezirke Aarau. Kulm, Zofingen. Von Michael Stettler, 1948.
II: Die Bezirke Lenzburg, Brugg. Von Michael Stettler und Emil Maurer, 1953.
III: Das Kloster Königsfelden. Von Emil Maurer, 1954.
IV: Der Bezirk Bremgarten. Von Peter Felder, 1967.
V: Der Bezirk Muri. Von Georg Germann, 1967.
VI: Der Bezirk Baden I. Von Peter Hoegger, 1976.
VII: Der Bezirk Baden II. Von Peter Hoegger, 1995.
Herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK), Bern.
Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau VIII Der Bezirk Baden III
Schutzumschlag: Gott erschafft die Gestirne. Ausschnitt aus der I-Initiale zur Schöpfungsgeschichte in einer Bibel der Klosterbibliothek Wettingen. Buchmalerwerkstatt im Bereich der Diözese Konstanz, um 1250. Zirka 350% der Originalgrösse. Foto: Ruedi Fischli. Baden.