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Kaplan .:. Die goettliche Allmacht

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Kaplan, Leo, Die göttliche Allmacht. Ein religionspsychologischer und psychoanalytischer Versuch. Heidelberg 1928.
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Kaplan, Leo,
Die göttliche Allmacht. Ein religionspsychologischer und psychoanalytischer Versuch. Heidelberg: Merlin-Verlag, 1928. XII, 146 Seiten. Leinen mit Farbkopfschnitt. Grossoktav.
* Die magische Bibliothek, 3. - Einband lichtrandig, gebräunt, vereinzelte Randanstreichungen mit Bleistift.
Bestell-Nr.157667
Kaplan | Religion | Psychologie | Psychoanalyse

Das Gebiet der Tatsachen, die von der Religionswissenschaft erfaßt werden sollen, abzustecken, ist nicht leicht. Je mehr wir uns in die weite Vergangenheit zurückversetzen, desto mehr sehen wie Religion sich dem nähert, was wir heutzutage als Weltanschauung schlechthin gelten lassen. Und das, was wir jetzt Religion nennen, ist vielleicht blos ein Überbleibsel einer primitiven Weltanschauung, der von dem nagenden Zahn der Zeit verschont blieb.
Das Objekt des Glaubens in den Religionen der Kulturvölker ist der „wahre" einzige Gott. Seinem letzten Wesen nach unterscheidet sich dieser Gott in nichts von den Göttern der sogenannten »heidnischen« Religionen. Diese sind Persönlichkeiten, begabt mit Allmacht, die leicht nun mit den unzähligen Dämonen, die ihrerseits wieder entweder selbständig oder als Werkzeuge Gottes agieren, verschmelzen. Aber Allmacht wird auch den Zaubern und Hexern beigelegt. Auf primitiver Stufe läßt sich keine scharfe Grenze ziehen zwischen Gott, Dämon und Zauberer.
Außer den Göttern und Zauberern kannten die Religionen wie der primitiven so auch der Kulturvölker unpersönliche Gottheiten, wie z. B. Brahman der alten Inder.
Das grundlegende Problem der Religionsforschung ist uns die Idee der Allmacht. Nach einer kritischen Prüfung verschiedener mözlicher Lösungen des Problems aus der kosmologischen Spekulation, der sozialen Determinieruncr usw., bleiben wir bei einer psychoanalytischen Lösung: Die Psychoanalyse leitet den Allmachtgedanken aus dem Narzißmus ab. Der Narzißt, der sich selbst Liebende, überwertet sich selbst, überschätzt die eigene kosmische Bedeutung: daraus resultiert sein Allmachtbewußtsein. Dem entspricht in der Entwicklung der Menschheit die Phase der Magie. Die neuere Ethnologie stellt sich ja auf den Standpunkt, daß der Ursprung der Religion nicht im Götterglauben, sondern im Kultus zu suchen sei; dieser aber ist eine magische Handlung, die ursprünglich nicht den Zweck hat, den Gott sich geneigt zu machen, sondern unmittelbar auf die Naturereignisse einwirken will. Mit der Überwindung des Narzißmus entsagt der Mensch der eigenen Allmacht, schafft sich aber den Gott, dem er jene Allmacht gleichsam überträgt. Auf einer noch weiteren Stufe der Entwicklung kann dieser Gott mit der Natur zusammenfallen Spinozismus). Die unpersönliche Allmacht nimmt gleichsam eine Mittelstelle ein zwischen Gott und Gott-Natur.
Die Idee der Allmacht nimmt im Bewußtsein der Völker die wunderlichsten Gestalten an. Da tritt sie als Gott-Vater auf, da aber als eine mysteriöse Substanz, die aus sich die YVelt emaniert, oder als die Notwendigkeit, die in der Welt der Erscheinungen herrscht, oder zuletzt als die moralische Kraft (der „Gott in uns die uns zwingt, das Gute zu tun und das Böse zu meiden.
Außer dem tätigen Gott trifft man ab und zu einen Gott, der sich vollständig in die Außerweltlichkeit zurückgezogen hat und in vollkommener Untätigkeit beharrt und qualitätlos ist. Dieser Gott ist der vollkommene Ausdruck einer Introversionstendenz. Damit die Beziehungen zwischen Gott und Menschen noch aufrechterhalten bleiben, muß der Mittler auftreten. Ein solcher Mittler ist z. B. Christus.
Zuletzt weist Gott noch Züge auf, die auch für den Seelenbegriff charakteristisch sind. Gott ist gleichsam die Seele des Alls, und die (individuelle) Seele ist der Gott des einzelnen Körpers. Innerhalb der spekulativen Psychologie treten wirklich Probleme auf, ähnlich denjenigen der Theologie. Es gibt z. B. in der SånkhyaPhilosophie eine Seelenlehre, wo die Seele qualitätlos, untätig und in ewiger Ruhe beharrend aufgefaßt wird, wie jener introvertierte Gott der Außerweltlichkeit. Und auch hier tritt ein Mittler auf, (linga), der die Beziehungen des Menschen der „innere Körper" zur Welt aufrecht hält. —
Das sind die Fragen, die in der vorliegenden Arbeit behandelt sind. Sie bildet nur den ersten Teil eines größeren Zusammenhanges, dessen zweiter Teil die dramatische Kunst (als hervorgegangen aus der magisch-kultischen Handlung) und dessen dritter Teil den Dämonismus (die mehr ins Psychopathische gehende Seite der Religion) behandeln wird.
Zürich, im Februar 1926.
INHALTSVERZEICHNIS
I. Gott-Allmacht 3—100
1. Unser Ausgangspunkt — das naive Volksbewußtsein . 3
2. Gott ist ursprünglich nicht das Gute, sondern das Mächtige 3
3. Ursprünglich ist die Kluft zwischen Gott und Menschen, zwischen sinnlich und übersinnlich, noch nicht vorhanden 6
4. Das kosmische Element in der Religion; der Mythos von der Trennung von Himmel und Erde und der ödipuskomplex 9
5. Die Widerspiegelung der Produktionsverhältnisse im Animismus eine kritische Auseinandersetzung 13
6. Die Projektion der Affekte auf den Kosmos, ihre narzißstische Grundlage 16
7. Gott und Vater 18
8. Die doppelte Natur der Eltern und der Gottheit . 22
9. Gott als die idealisierte Macht der gesellschaftlichen Ordnung 25
10. Götter, die weder „Väter", noch „Organisatoren" sind; die unpersönliche Gottheit 26
11. Der ursprüngliche (magische) Sinn des ()pfers: der Tod ist die Voraussetzung des Lebens, wie der Sonnenuntergang die Voraussetzung ist für ihren Aufgang 30
12. Osiris-Mythos; Christus-Mythos 33
13. Die göttliche Allmacht und die Magie . 35
14. Religion und Magie, ihre Verwandtschaft und ihr Gegensatz 38
15. Der Ursprung der Allmachtidee aus dem Narzißmus. Chepra und Atman als narzißstische Wesen (10
16. Imitative Magie 42
17. Das Feuerreiben und die Sexualisierung des Kosmos
18. Der magische Koitus im Agrarkultus . 47
19. Pars pro toto . (19
20. Emånismus 50
21. Die Kraft-Stoffe 52
22. Ruach und Nefe; 54
23. Aklama 55
24. Gott als Abspaltung der Allmacht vom Menschen 56
25. Der homo oeconomicus. Gott und Reichtum 57
26. Die antiökonomische Tendenz in der Religion 59
27. Die magische Bedeutung des Wortes und des Namens 62
28. Brahman 65
29. Die Identifikation Atman-Brahman und die Überwindung des Narzißmus 66
30. Rta — die weltbeherrschende Ordnung oder der „naturalisierte" Gott 68
31. Eine „Zwischenphase": der magische Apparat unter Schutz und Autorität Gottes gestellt 69
32. Die Kategorie „heilig" und ihre Beziehung zur Religion. Der evolutionistische Standpunkt
33. Heilig und tabu 76
34. Die magischen Gefahren, die dem Toten und dem Sexuellen anhaften; die ethischen Forderungen ursprünglich Tabuvorschrif:en 81
35. Ethik und Religion 85
36. Das Gefühl des „Unheimlichen" in der Religion als angstneurotisches Symptom 88
37. Fortsetzung 90
38. Ein psychoanalytischer Fall zur Illustration .
39. Die Überwindung des Narzißmus 94
40. Der Kampf gegen den Magismus . 96

II. Der weltfremde Gott und die Introversion . 103—111
1. Der weltfremde Gott 103
2. Atman-Brahman — qualitätlos und nicht tätig 103
3. Krshnu ein introvertierter Gott 105
4. Die Kluft zwischen Gott und Menschen im Talmud . 106
5. Weltfremdheit und Tatlosigkeit fließen aus der Introversionstimmung 107
6. Die Mittler zwischen dem (weltfremden) Gott und dem Menschen: der „heilige Geist", die Bath-Kol, Christus . 108
7. Der Sieg des Nomokratismus über nieokratismus im Talmud, zugleich die Verwandlung des außerweltlichen Gottes in den „Gott in uns" 110

III. Der Animismus 1 15—123
1. Magie und Animismus 115
2. Fortsetzung 115
3. Tylors minimale Definition der Religion 116
4. Zur Kritik der animistischen rmorie; der Präanimismus . 117
5. Zur Kritik des Präaninusmus. Magie und' Animismus sind zwei Arten der Offenbarung der narzißstischen Natur des Menschen 118
6. Gott und Seele 120
7. Die qualitätlose und untätige Seele in der Sånkhya-Philosophie 121

Anmerkungen 1 2 5—147

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