Berendt / Schubring .:. Die Antike und der deutsche Geist

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Berendt, Hans und Gioia Schubring [Hrsg.], Die Antike und der deutsche Geist. Frankfurt a. M. 1927.
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Berendt, Hans und Gioia Schubring [Hrsg.],
Die Antike und der deutsche Geist. Frankfurt a. M. : M. Diesterweg, 1927. VI, 270 Seiten mit Abbildungen auf Tafeln und Register. Leinen. Grossoktav.
* Gebräunt, Deckel leicht konkav verzogen.
Bestell-Nr.157608
Berendt Schubring | Alte Geschichte | Altertum | Antike | Philosophie

Vorwort.
Die Erneuerung der Antike durch den deutschen Geist an einer Reihe bedeutsamer Erscheinungen darzustellen, war die Aufgabe der vorliegenden kleinen Sammlung. Diese Wiedergeburt ist das bestimmende und einende Erlebnis des 18. Jahrhunderts — die kühne Eroberung, die das gründlicher arbeitende und sorgfältiger erntende 19. Jahrhundert in Besitz nahm. Frühere Versuche, sich der antiken Welt zu bemächtigen, tasten und ahnen nur. Die Hinwendung der klassischen Zeit zum Altertum ist die entscheidende Umwälzung im deutschen Geistesleben. Mit ihr erst beginnt wesenhaft die Aufnahme der Antike in Deutschland.
Der Aufgabe gemäß ist hier nicht gedacht, eine runde, in deutschem Schrifttum dargestellte, stofflich geordnete Ansicht der Antike zu geben*. Im Mittelpunkt steht nicht das Altertum, sondern der deutsche Geist. Es kam nicht so sehr darauf an, welche Gebiete der hellenischen und römischen Welt dargestellt wurden, sondern darauf, daß Goethe oder Schlegel, Hölderlin oder Nietzsche die Darstellenden waren. Nur solche Äußerungen wurden aufgenommen, die für das einmalig-besondere Verhalten gerade dieser Persönlichkeit der Antike gegenüber bezeichnend schienen. Der Wert einer solchen individuellen Spiegelung ruht nicht in sich allein ; darüber hinaus offenbart die Vereinigung dieser Einzelbilder eine einheitliche deutsche Grundhaltung, eine gemeinsame Anschauung vom Wesen der Antike. Die Reihe der persönlichen Gestaltungen ergibt eine klare Erkenntnis historischer Entwicklungen. In verschiedenen Sphären vollzieht sich die Erfassung und Verarbeitung der antiken Welt bei den Deutschen, und aus anderen Ebenen ragen zu anderen Zeiten die Gipfel. Im 18. Jahrhundert vereinen sich die dichterischen Kräfte, um von Klopstock zu Hölderlin in steter Steigerung eine immer reinere, dichtere, vollkommenere Offenbarung hellenischen Geistes zu suchen. In der Lyrik liegt zu dieser Zeit die große und unerreichbare Schöpfung. Wenige edle Nachzügler des folgenden Zeitalters, von einem stolzen und späten Ehrgeiz getragen, schließen sich an.
Neben der freien dichterischen Gestaltung antiken Wesens steht die Nachbildung und Umformung antiker Dichtungen. Die klassischen deutschen Übersetzungen sind selbst wieder Dichtung geworden.

In der dritten Ebene endlich, der Eroberung des Altertums durch das deutsche Schrifttum, behauptet die spätere. Zeit gewiß den ersten Platz. Nach einzelnen kühnen Vorstößen und glücklichen Entdeckungen hat das historische 19. Jahrhundert in seinem realistischen Sinne unermüdlich daran gearbeitet, durch wissenschaftliche Erforschung ein neues, mannigfaltiges, stofflich reicheres Bild der Antike zu gewinnen. In den großen Gelehrten dieser Epoche formt sich die gesättigte Masse der Einzelerkenntnisse zu lebendigen und bisweilen hinreißenden Darstellungen.
Aus der Mannigfaltigkeit dieses historischen Begreifens erwuchs der Gegenwart eine andere Anschauung der Antike. Durch die Rückkehr zu der intuitiv und einheitlich erfassenden Haltüng des deutschen Klassizismus gewinnt das synthetische Bedürfnis unserer eigenen Zeit die Kraft, ein neues Erleben der Antike in einem neuen Bilde zu formen.
Um diese Entwicklung zu verdeutlichen, ist der Stoff in Dichtung, Nachdichtung und Deutung gegliedert und innerhalb der einzelnen Abschnitte historisch geordnet.
Aus einer Angelegenheit aller Gebildeten der Nation ist die Kenntnis der Alten ausschließlich Fachwissenschaft geworden. Die Kraft, der nicht zuletzt das deutsche Volk seine Erhebung verdankt, hat sich häufig in eine drückende Last unserer Gymnasien gewandelt. Bei der Gestaltung dieser Auslese waltete die Überzeugung, daß wir aus eigener Kraft kaum vermögen, uns der „unendlich fernen und mit diamantenen Wällen umschlossenen Burg des Hellenischen zu nahen sondern immer von neuem brauchen wir als Führer und Lehrmeister unsere deutschen Klassiker, um unter dem Flügelschlag ihrer antiken Bestrebungen selbst mit hinweggerissen zu werden — dem Lande der Sehnsucht zu, nach Griechenland".
Die Herausgeber.
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* So hat es die Sammlung von Wolters versucht. Die Herausgeber haben nachträglich vielfach übereinstimmende Wahl festgestellt und an einigen Stellen das Werk noch mit Dank benutzen können.
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