Ernst .:. Die Sendung des Kleinstaats

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Ernst, Fritz, Die Sendung des Kleinstaats. Ansprachen und Aussprachen. Zürich 1940.
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Ernst, Fritz,
Die Sendung des Kleinstaats. Ansprachen und Aussprachen. Zürich : Atlantis-Verlag, 1940. 107 Seiten. Leinen mit Schutzumschlag.
* Schwach gebräunt, Deckel leicht konkav verzogen.
Bestell-Nr.157854
Ernst | Helvetica | Schweiz | Politik | Philosophie | Foederalismus | Menschenrechte

NACHWORT UND ANMERKUNGEN
«Iliacos intra muros peccatur et extra.»
Dies Wort des Horaz — in einer seiner Episteln — will sagen, dass hüben und drüben gesündigt wird. Es ist, als allgemeiner Standpunkt, sicher richtig. Die vorstehenden Blätter durften nicht gesammelt werden, ohne dass sie sich einer solchen Meinung ausdrücklich unterstellten. Man würde aber irren in der Annahme, dass durch das angegebene Bekenntnis der Verfolg der eignen Lebensbahn behindert sein könnte. Dieselbe mag noch so steil und steinig sein, es gibt kein Nebenaus. Nun rät uns mancher Hoch gebildete, wir sollten in schwierigen Augenblicken wenigsten aufhören zu denken, denn es gerate doch nicht gut. Dagegen möchten wir uns ausdrücklich verwahren. Zwar hat Pascal das Elend der menschlichen Existenz unter anderm damit illustriert, dass das einfältigste Geräusch den tiefsinnigsten Gedanken zu unterbrechen vermöge. Ich könnte aber meinerseits das Denken nicht davon dispensieren, sich auch unter misslichen Bedingungen zu behaupten. Dass es dabei versagen kann, ist keine Besonderheit der Aufregung — auch die Ruhe hat ihre Fehlerquelle. Mag eine damokleische Situation immerhin besondere Gefahren bergen, so freilich auch besondere Verlockungen: auf alle Fälle kann man in die Lage kommen, lieber geirrt, als geschwiegen zu haben.
Die im vorliegenden Bändchen zusammengestellten Aeusserungen haben, bei ihrer ersten Publikation, dem Verfasser Lob und Tadel eingetragen, beides wie gewöhnlich ohne viel Begründung. Eine solche hätte übrigens beim Wiederabdruck deshalb keine textändernden Folgen haben können, weil in erster Linie die Vergegenwärtigung bestimmter Augenblicke beabsichtigt war. Angesichts der raschen Entstehung der meisten unter diesen kleinen Arbeiten fehlte es bei ihrer Sammlung nicht an Veranlassung zu stilistischen Verbesserungen. Inhaltlich aber steht nirgends etwas, das im ursprünglichen Manuskripte fehlte, noch wurde, mit einer Ausnahme, irgend etwas früher Ausgesprochenes unterdrückt: nur den letzten Beitrag habe ich, im Hinblick auf den neuen Zweck, grundsätzlich gekürzt. Dass der Leser vor der gänzlichen Verwerfung einer Schrift sich zu deren näheren Erläuterung in den übrigen Schriften des nämlichen Verfassers umsehe, ist gewöhnlich eine trügerische Hoffnung. Dies aber scheint zu wünschen erlaubt: dass bei einem so wenig umfangreichen Büchlein wie diesem wenigstens die Gesamtheit der darin enthaltenen Aeusserungen aufeinander bezogen werde.
Ein besonderes Wort gelte dem gewählten Titel. Derselbe ist nicht nur äusserlich vom ersten Beitrag übernommen, sondern zugleich innerlich für alle Beiträge überhaupt gemeint. Im Lauf der Zeit bildete ich mir die Meinung, es gebe unter den vielen Denkformen auch ein grosstaatliches und ein kleinstaatliches Denken. Ich kann dem Einwurf nicht beipflichten, das sei ein reines Scheinproblem. Es ist unerfindlich, wieso zwar wohl das geographische, nicht aber das politische Klima die menschliche Psyche beeinflussen soll. Der Streit kann sich im Grunde nur drehen um Art und Weise dieser Beeindruckung, nicht aber um die Tatsache als solche. Dass ein Zeitalter, wie das zu Ende gehende, das seine Grösse in der Verherrlichung eines allgemeinen Menschengeistes suchte, auf die Nuancen seiner Inkarnationen wenig Acht haben konnte, liegt in der Natur der Sache. Dass ein Zeitalter, wie das sich entwickelnde, das zur politischen die geistige Nationalisierung anerkennt, die Ehre des Besondern retten will, erscheint so unausweichlich als sinnvoll. Ergäbe sich übrigens aus einer besserwissenden Diskussion eine Bezweiflung hinsichtlich meines Cogito, so bliebe mir immer noch mein Credo .. .
Einst wird diese Zeit vorüber, viel Altes unter- und manch Neues aufgegangen sein. Es ist menschlich, den Fluss der Dinge um eine noch so kurze Dauer überstehen zu wollen. Tritt gar die Not des Gewissens hinzu, so kann sich eine solche Regung leicht zum leidenschaftlichen Wunsche steigern. Daher unsre kurzen Antworten auf lange Fragen. Es war dabei des Verfassers Ueberzeugung, dass auch unter besten Bedingungen, deren er sich nicht zu rühmen gedenkt, das faktisch Wissbare hinter dem praktisch Wissenswerten unaussprechlich zurücksteht. Das war im vorliegenden Falle so wenig zu ändern, dass daraus sogar zwei strikte Konsequenzen gezogen wurden: durch Verzicht auf jede Polemik und durch Respektierung jeder Tatsache, sofern sie begriffen und einbegriffen war. Ueber allem aber stand der heisse Glaube, dass die Liebe zum Vaterland und zur Wahrheit als in sich einstimmig erweisbar sei. Der Verfasser entwickelte für sich daraus eine Art Enthusiasmus der Pflichterfüllung, worin der erhoffte Gehalt dieses Bändchens bestehen möchte. Aus der nämlichen Gesinnung wählte er sinnbildlich den vorgesetzten ältern Freund zu seinem ersten Richter.
Zürich, Oktober 1940. F. E.
INHALT
Die Sendung des Kleinstaats Seite 9
Die Vergänglichkeit des Grosstaats .
Aussichten des Föderalismus ? 26
Der Ursprung der Menschenrechte . 35
Johannes von Müllers Vermächtnis 58
Deutsche Schweiz und Deutschland 77
Aufgabe und Dasein . 85
Vom künftigen Soldatentum 90
Nachwort und Anmerkungen . 99
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