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Hiltbrunner / Roshardt .:. Das Blumenjahr

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Hiltbrunner, Hermann, Das Blumenjahr. Zürich 1945.
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Hiltbrunner, Hermann,
Das Blumenjahr. Zürich: Artemis-Verlag, 1945. 109 Seiten mit Abbildungen. Leinen mit Farbkopfschnitt und Schutzumschlag. 4to. 843 g
* Mit 12 Zeichnungen von Pia Roshardt. Monatliche Vorträge 1943/44 im Studio Zürich. - Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren und hinterklebten Rissen. Wenige Stockflecken.
Bestell-Nr.155632
Hiltbrunner Roshardt | Illustrierte Buecher | Buchillustration | Botanik | Schweizer Literatur | Literatur Deutschschweiz

IN DIESEM BUCHE
wollen wir über Blumen reden, über Blumen, die uns allen dem Namen und Anschauen nach wohlbekannt sind, denn die meisten Gärten schmücken sich mit ihnen. Da keine weiteren Kenntnisse vorausgesetzt sind, keinerlei Wissen hervorgegraben werden muss, kann wohl die Frage laut werden, ob ein solches Vorhaben sich überhaupt lohne. Ich glaube es, es wird sich lohnen. Denn wir werden entdecken, dass wir auch die schönen Dinge dieser Welt immer noch nicht eingehend genug betrachtet haben und unser Anschauen keineswegs zu Ende gekommen ist; es wird sich zeigen, dass Anschauen zu reinem Schauen führt und dieses Schauen fast unbegrenzt ist, da es uns eine solche Fülle neuer Bilder und Beziehungen offenbart, dass wir vor der Unendlichkeit des Universums selbst zu stehen vermeinen. Wir gehen also von allgemein Bekanntem aus, aber wir werden die Magie des Selbstverständlichen finden; wir halten uns an das Gewöhnliche, aber wir werden die Mystik des Alltäglichen erfassen . . .
Ein Mensch bückt sich zu einer Blume und wird von ihr eingenommen, bezaubert. Er vergisst die Welt, den Unfrieden dieser Welt, die Entsetzlichkeit dieser Welt . . . er ist einen seligen Augenblick lang abwesend, ein Lächeln erblüht auf vielleicht leidgepressten Lippen, ein unsagbarer Friede verklärt ein vielleicht zerfurchtes Gesicht : und das Faltengebirge des Grams verwandelt sich in ein Menschenantlitz voller Wärme und Herz, voller Güte und Schönheit. Es wird selber Blume, nichts als Blume — gleich wie das schicksalgeschlagene Antlitz unseres Hochgebirgs im steigenden Licht unserer Sonne zum Lilienkranz und im sinkenden Licht zum Rosenkranz sich läutert.
Damit ist die Frage, ob sich solches Unternehmen lohne, entschieden. Es ist uns nicht verboten, dieser traurigen Zeit einen göttlichen Augenblick lang zu entfliehen. Das ist keine Flucht aus der Wirklichkeit, sondern ein Einblick in eine bessere, unendlich viel ältere Wirklichkeit, das ist, mit einem Worte, Trost der Natur, und wir haben erkannt, dass kein Mensch, ja, nicht einmal der Unmensch, auf Trost verzichten kann.
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