Klatt .:. Rainer Maria Rilke

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Klatt, Fritz, Rainer Maria Rilke. Sein Auftrag in heutiger Zeit. Berlin 1936.
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Klatt, Fritz,
Rainer Maria Rilke. Sein Auftrag in heutiger Zeit. Berlin : Verlag Lambert Schneider, 1936. 81 Seiten. Klappenbroschur.
* Umschlag lichtrandig, gebräunt, obere Ecke bestossen.
Bestell-Nr.157845
Klatt | Biographien Literatur | Literaturgeschichte | Sekundaerliteratur Rainer Maria Rilke | Rainer Maria Rilke | Germanistik

RILKES EDLE FREUNDIN IN SEINEN SPÄTEREN LEBENSJAHREN, Marie Fürstin Thurn und Taxis, schildert immer wieder in ihren Erinnerungen, wie derDichter jugendlich frisch und lebendig ausgesehen habe, jedesmal wenn sie ihn wiedersah, auch als schon die tödliche Krankheit ihn öfter und öfter niederzwang. Als er am 29. Dezember 1926 starb, hatte er das fünfzigste Lebensjahr gerade erst etwas überschritten. Noch kurz vor dem Tode habe'er wie ein junger Mann ausgesehen, erzählt sie. Von anderen hören wir in Berichten und Briefen dasselbe. Es ist das Geheimnisvoll-Bedeutsame dieses großen Lebens, daß es aus altem Geschlecht stammend müde und langsam zu sich selbst erwachte, dann aber bald und von da bis zum Schluß sich jugendlich strafft und zusammenrafft zu einer letztmöglichen menschlichen Dichtigkeit. Aus altem Blut und gebunden in die Kette des ständig wachen Bewußtseins alter Tradition, aber doch persönlich ganz jung und neu und allein. Das ist Rainer Maria Rilke!
Er ist nicht denkbar als alter Mann. Ein Wissender bis auf den letzten dunklen Grund derDinge, aber doch ewig jung, so ist derDichter in die Geschichte eingegangen. Er ist für uns Überlebende zu den großen e Fr'üh Vollendeten' getreten, zu Kleist und Novalis, die ein ewiger Antrieb sind, nicht müde zu werden, das Letzte zu erreichen. Er hat sich nicht gespart, sondern verschwendet. Als die Duineser Elegien und die Sonette an Orpheus im Jahre 1922 in einem letzten gewaltigen Schaffenssturm von ihm wie er sagt e überstanden' waren, war sein Leben zu Ende. Marie Thurn und Taxis berichtet: c Er sprach dann nicht mehr von neuen großen Arbeiten, wie er das immer getan hatte, seit ich ihn kannte. Ach unbewußt wußte er; wie weit der Zeiger schon gerückt war'.
Dieses jugendlich gespannte Leben des Frühvollendeten wird unter uns Zeitgenossen in seiner ganzen Spannkraft erst in Zukunft wirksam werden. Rilke gehört in einem geheimnisvollen Sinne zu den Lebenden. Er ist uns noch sehr nahe. Seine Sprache ist so die unsrige und die unserer Zukunft, daß seine langsam größer werdende Gemeinde selten und wie in einem leisen Erschrecken daran denkt, daß tatsächlich schon ein Jahrzehnt seit seinem leiblichen Tod vergangen ist. Langsam rücken die, die viel jünger waren als er, ihm nach, und sie werden älter werden als er und er bleibt ihnen doch in seiner ganzen Schwungkraft voran zu einem noch unbekannten Ziel tiefsten Erkennens unserer Wirklichkeit.
In diesem Sinne gehört Rilke noch zu der Kriegsgeneration, obgleich ja das Datum seiner Geburt 1875 ihn zu der Vorkriegsgeneration stellt. Sein früher Tod rückt ihn zu den zarten Frühvollendeten dieser Generation, die uns ewiger Antrieb bleiben, weiter zu bauen an dem inneren Reich, das sich der Jugend von 1914 in einem ersten Umriß zeigte.
Tatsächlich war der damals junge Dichter mit George und Hofmannsthal zusammen bei den Besten der aufstrebenden jungen Generation führend und bestimmend.
Die Geschichte seiner Wirkung unter den Zeitgenossen ist höchst eigentümlich. Seine Zartheit, seine seelische Empfindlichkeit hat das was er zu sagen und zu singen hat, immer wieder in den Rufder Gebrechlichkeit, ja derLebensuntauglichkeit gebracht, auch bei denen, die immer wieder im tiefsten von ihm berührt wurden. Es hat Zeiten gegeben, wo man das Stundenbuch ganz vergessen hat, vergessen wollte, wo die Klangschönheit der Verse des jungen Rilke in ihrer wiegenden Schmiegsamkeit von uns nicht vertragen wurde. Wir wollten das aus unserem Leben verdrängen und glaubten es schon vergessen, weil wir mitten im wildesten Zeitgedränge standen, im Schützengraben, in den Wirren der Inflation, im politischen Auf und Ab der danach folgenden Jahre. Jeder mußte beim Aufbau seines Lebens und seiner Arbeit bis ins letzte sich anspannen. Da schienen sie uns fremd geworden, die Klänge, die uns zuvor erschüttert hatten. Sie schienen uns wiemühelos gewonnen. Hineingeworfen in die Wirbel gespanntester Tätigkeit des Kriegslebens und später des Arbeitslebens dünkten wir uns vielleicht sogar zu Zeiten erhaben über diesen Dichter der stillen Tiefenschau.
Aber immer wieder von neuem im Lauf dieser Jahrzehnte schlug der Sinn seines dichterischen Auftrags durch und ergriff uns immer von neuem und immer tiefer. Hundert neue Bücher von Schriftstellern, die uns viel aktueller zu sein schienen, versanken im Lauf der beiden Jahrzehnte nach Kriegsbeginn, aber Rilkes Stundenbuch, sein Cornett, sein Buch der Bilder, das Requiem, sein Malte Laurids Brigge, alle jene schmalen Bände des Inselverlags wuchsen an Wert über all diese Zeitliteratur hinaus. In vielen Menschen bilden diese Verse einen immer wachsenden Besitz, ohne den ihr Leben kaum denkbar wäre. Die nachtwandlerische Sicherheit dieser inneren Erfahrung unseres wachsamsten Zeitgenossen ist mit der unerhörten Bildkraft seiner Sprache in uns eingegangen, auch dann, wenn wir vielleicht diese Gedichte lange Zeit nicht mehr gelesen haben, überhaupt nicht mehr lesen wollten, weil uns das tägliche Arbeitsleben immer mehr davon abdrängte.
Was Rilke heute im neuen Deutschland für uns bedeutet, seine in die Zukunft gerichtete Wirksamkeit, soll in folgendem dargestellt werden. Auch literaturgeschichtliche, biographische und ästhetische Darstellungen über Rilke werden jetzt von der wachsenden Gemeinde Rilkes mit Spannung erwartet und sind zum Teil schon erschienen.
Hier soll nun versucht werden, seine uns Menschen von heute angehende Bemühung um unsere eigensten Fragen lebendig erstehen zu lassen.
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