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Vorberg .:. Luxu et voluptate

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Vorberg, Gaston, Luxu et voluptate. Schmiden b. Stuttgart 1966.
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Description
Vorberg, Gaston,
Luxu et voluptate. 3. Auflage. Schmiden b. Stuttgart: Freyja-Verlag, 1966. 115 Bl.: Abbildungen mit Text, 57 Bl. Abbildungen. Pappband (gebunden). 4to. 252 x 188 mm.
* T. 1. Museum eroticum Neapolitanum. T. 2. Antiquitates eroticae. T. 3. Die Erotik der Antike in Kleinkunst und Keramik. Herausgegeben von Richard Wunderer. - Gebräunt, Raucherbibliothek, Deckel konkav verzogen.
Bestell-Nr.158491
Vorberg | Erotica | Kunstgeschichte | Alte Geschichte | Altertum | Antike

Vorwort Das vorliegende Buch bringt eine Zusammenfassung der drei bedeutendsten Werke Dr. Gaston Vorbergs über die erotische Kunst des Altertums: ,Die Erotik der Antike in Kleinkunst und Keramik', Museum eroticum Neapolitanum' und den dazugehörigen Ergänzungsband ,Antiquitates eroticae'. (Lezterer erschien 1911 als Privatdruck in beschränkter Auflage). Mit der Neuausgabe erfährt die für jede einschlägige Forschung grundlegende Arbeit Vorbergs eine verdiente Würdigung, und außerdem wird das wertvolle, mit viel Fachwissen und Fleiß zusammengetragene Material einem größeren Kreis von Interessenten zugänglich gemacht. Für die Sexual, Sitten, Kunst- und Kulturforschung sind diese Werke schlechthin unentbehrlich. Ebenso wertvoll wie das Bildmaterial sind die von Dr. Vorberg verfaßten Kommentare in den Bänden ,Museum eroticum Neapolitanum' und ,Antiquitates eroticae'. Sie wurden in der Originalfassung ohne Korrekturen übernommen. Das bringt mit sich, daß diese Kommentare einige Sätze enthalten, die von der heutigen Zeit überholt sind, so etwa, wenn Dr. Vorberg schreibt, daß noch nicht abzusehen sei, wann die Ausgrabungen in Pompeji abgeschlossen sein würden. Es wird gebeten zu bedenken, daß ,Museum eroticum Neapolitanum' im Jahre 1910 erstmalig verlegt wurde. Der Autor, Dr. med. Gaston Vorberg, wurde 2875 in Köln am Rhein geboren, besuchte das Gymnasium und inskribierte nach Ablegung des Abiturs an der medizinischen Fakultät der Universität Freiburg, wo er auch promovierte. Er folgte einem Ruf an das Institut der Geschichte für Medizin in Leipzig, wo er seine ersten wissenschaftlichen Forschungen unter der Leitung von Professor Sudhoff durchführte. In den Jahren zwischen 192o und 193o sowie auch später bis zum Tode 1947 praktizierte Dr. Vorberg als Nervenarzt. In dieser Zeit besorgte er die Herausgabe einiger Standardwerke der Sexualliteratur. Unter den wichtigsten Arbeiten Dr. Gaston Vorbergs seien folgende genannt: ,Museum eroticum Neapolitanum' 1910 ,Antiquitates eroticae', Privatdruck, 1911 ,Die Erotik der Antike in Kleinkunst und Keramik', 1921 J. J. Rousseau', 1923 ,Venezianischer Dirnenspiegel', 1923 ,Der Ursprung der Syphilis', 1924 ,Ars Erotica Veterum', 1926 ,Petronius, Satyrikon', ,Glossarium Eroticum' Der Einblick in die antike Kunstgeschichte, den uns Dr. Gaston Vorbergs Werk ermöglicht, bestätigt die Behauptung Sigmund Freuds, die menschliehe Erotik — mit all ihren sublimierten Erscheinungsformen — basiere im Bereich sexueller Perversionen und habe sich aus diesen im Laufe einer jahrtausendelangen Metamorphose zum psychophysischen Glückserleben der Geschlechtsliebe herausgebildet. Eine analoge Entwicklung, wie sie die Menschheit durchmachen mußte, und wie sie sich am klarsten in der Dokumentation durch das künstlerische Schaffen spiegelt, wiederholt sich wunderbarerweise im Reifungsprozeß vom Kind zum Geschlechtswesen. Dies erklärt, weshalb man in der antiken erotischen Kunst zahlreiche Darstellungen des sexuellen Lustgewinnes findet, der meist als pervers eingestuft wird; aber man sollte sich davor hüten, damit gleichzeitig ein moralisches Werturteil auszusprechen. Der Mensch im Altertum ließ eben keine Quelle unberührt, aus der zu schöpfen ihm Genießen verhieß. Er tat dies naiv, ohne jegliches Schuldgefühl, was sich darin bestätigt, daß er sogar den von ihm verehrten Gottheiten alle nur erdenklichen Laster und Ausschweifungen zuschreiben durfte. Nicht nur gaben sich die Beherrscher des Olymps der inzestuösen Mutter- und Geschwisterliebe hin, Zeus wohnte seinen Geliebten in Tiergestalten bei, und Priap wurde ebenso als Gott der Fruchtbarkeit wie auch der sexuellen Sinnenfreuden in aller Öffentlichkeit verehrt. Frauen und Mädchen besudelten keineswegs ihre Reinheit, wenn sie während priapischer Feste Phallusnachbildungen in ihren Händen trugen und Lieder sangen, die nur heute in unseren Ohren schamlos klingen. Die Knaben- und Jünglingsliebe galt zwar zu manchen Zeiten als schändlich, doch das hinderte nicht, daß sie dennoch viel mehr Anhänger fand, als damals hormonal bedingte Homosexuelle lebten. Bei Aristophanes fragt eine Komödienfigur: „Und wenn einer ein Steißling ist, was schadet's ihm?" Der Angesprochene blickt im Kreis des Publikums umher und stellt fest: „Bei allen Göttern, unendlich mehr Steißlinge sind's!" (Die Wolken) Wäre dies nicht tatsächlich zugetroffen, hätte es keinen Heiterkeitserfolg auslösen können. Triolismus findet seine Verherrlichung in der Komödiendichtung, wenn Aristophanes den Dikaiopolis ausrufen läßt: „Und wieder ihr, umfasset beid' mein drittes Bein! Haltet's fest, Mädchen, fest!" (Die Acharner) Sogar Szenen der Selbstbefriedigung durfte der Dichter zum Vergnügen seines Publikums auf die Bühne bringen. (Die Ritter) Und sogar eine alte Vettel rühmt sich, ihr Schamhaar abgesengt zu haben, wovon sich die Leute gleich überzeugen können; (Lysistrata) auch gehört es zu den oft verwendeten Späßen, einen Tölpel zu zeigen, dessen hoch aufgerichteter Phallos unbefriedigt bleibt, so daß etwa Kinesias verzweifelt ausruft: „Freund Fuchshund, schnell! Schaff schnell ein Hürlein, Amme!" (Lysistrata) Inhalt und Aufbau des Schicksalsdramas beweisen, daß der Grieche auch darin, schuldig geworden zu sein, eine Götterfügung gesehen hat. Ehebruch und Blutschande werden oft wissentlich oder unwissentlich, aber nach dem Willen der Götter, begangen. Den Geschlechtsakt zwischen einem Stier, einem Drachen oder einem Schwan mit einem Mädchen würden wir als Unzucht mit Tieren verurteilen, die Antike jedoch sah darin nur köstliche Listen des Zeus, um auch die keuschesten, eifersüchtig bewachten Frauen beschlafen zu können. Schon lange vor Ovid beschrieb Sphodrias die Kunst der erotischen Positionen; denn zu einer Zeit, als die seelische Bindung zwischen Liebenden noch wenig vertieft war, sah man einzig in der raffinierten Variierung der Koitushaltung eine Möglichkeit, die menschliche Geschlechtsliebe aus dem Stadium des Tierischen, Primitiven emporzuentwickeln. Zahlreiche antike Darstellungen zeigen Paare in nahezu akrobatisch schwieriger Umarmung, wie sie ein Mensch mit durchschnittlicher Körperbeherrschung niemals zuwege bringen könnte. Es handelt sich dabei nicht immer um reine Phantasieschöpfungen des Künstlers, sondern Gaukler und Tänzerinnen haben ihr Publikum während orgiastischer Gastmähler auch mit derartigen erotischen Schaudarbietungen unterhalten. Das ist ganz sicher so in manchen römischen öffentlichen oder privaten Bordellen gewesen. Viele der antiken erotischen Kunstgegenstände müssen als Dokumente der Verherrlichung männlicher Potenz verstanden werden. Nicht nur die Laster, auch die Schwächen sind nicht den Zeiten, sondern den Menschen eigen, und so finden wir die Neigung zu Kandaulesismus, Exhibitionismus und Protzerei mit der Sexualkraft schon im antiken Kunstwerk. Wenn der Künstler einen Mann mit mächtigem Geschlechtsglied darstellte, meinte er damit fast immer sich selbst, wie er sich sah, wie er gesehen werden oder wie er gern beschaffen sein wollte. Als Ovid einmal mit seiner Liebeskunst eine Freundin enttäuschte, machte er diese Bloßstellung damit wett, daß er prahlte: „Zweimal bracht ich doch jüngst der blonden Chloe mein Opfer, Drei der Libas und drei Pitho, der blendenden, dar. Und ich erinnere mich, daß in kurzer Nacht ich vermochte, Meiner Corinna neun Opfer der Liebe zu weiten." Sexuelle Obersättigung brachte es mit sich, daß die ars amandi immer neue Variierungen des Genießens suchen mußte, womit sie sich unweigerlich in die Gebiete der sexuellen Perversionen verirrte. Den in voller Manneskraft stehenden Bassus erregte nur die verblühende Schönheit alternder und alter Weiber, was Martial mit folgenden Worten geißelte: „Bassus, es reizen zur Lust dich Greisinnen, Junge verschmähst du, Und nicht die Schöne gefällt, sondern die Sterbende dir. Ist's nicht Tollheit, sprich, ist's nicht verrückte Begierde? Während dich Hekuba lockt, läßt dich Andromache kalt!" Kaiser Tiberius hingegen umgab sich im Bad mit Kindern, die ihm perverses Genießen verschaffen mußten, was Sueton mit folgenden Zeilen anprangerte:
„Noch Ärgeres und Schändlicheres ist ihm nachgesagt worden, was sich kaum erzählen oder anhören, geschweige denn glauben läßt: er habe Knaben vom zartesten Alter, die er seine ,Fischlein' nannte, angeleitet, ihm beim Baden an den Hüften herumzuschwimmen und zu spielen, ihn zu lecken und zu beißen; ja, er habe sich sogar von halbwüchsigen und doch noch nicht von der Brust entwöhnten Kindern an dem Schamgliede oder an den Brustwarzen saugen lassen.” Das Beispiel der Vornehmen machte Schule und brachte die von ihnen begangenen Laster in Mode, so daß die Vergehen bald nicht mehr als Laster, sondern als standesgemäße Vergnügungen der eleganten Welt galten. Die Kunst spiegelt getreulich Sitten und Unsitten wider, und wer eine Zeit durchforschen will, kann deshalb an solchen Zeugnissen des Menschlichen, Allzumenschlichen, nicht achtlos vorübergehen. Dr. Gaston Vorberg ist es dank seiner profunden Kenntnis der Materia wie keinem zweiten gelungen, ein geschlossenes Bild der antiken erotischen Kunst zu geben. In diesem Sinne mögen die drei in diesem Band vereinigten Werke dazu beitragen, die Gedanken- und Gefühlswelt des antiken Menschen — von der Erotik her — zu beleuchten. Ohne Zweifel handelt es sich um eine nur einseitige Darstellung des kultur- und sittengeschichtlichen Problemkomplexes, aber die Kräfte von Sexualität und Erotik wirken sich nicht allein auf die Intimbeziehungen zwischen Mann und Frau aus, sondern strahlen darüber hinaus in viele andere, in nahezu alle Bereiche des menschlichen Wünschens und Strebens aus. Wenngleich wir nicht mehr mit Sigmund Freud glauben, Eros liefere die einzigen, allein entscheidenden Impulse für unser Handeln, so wissen wir doch, daß der menschlichen Geschlechtlichkeit Kräfte entspringen, die in sublimierter Form zum Entstehen der Kunst geführt haben, was in besonderem Maße für die Kunst gilt, mit der man immer wieder versucht hat, das erotische Thema zu bewältigen. Mit der Erkenntnis, daß auch die gewagtesten der Darstellungen nicht zufällig oder aus Freude an der Schamlosigkeit geschaffen wurden, sondern daß sie Zeugnis für jenes erotische Verlangen ablegen sollen, das den Menschen zu allen Zeiten beherrschte, scheint der Kreis geschlossen zu sein. Wie die Bürger Athens und Roms dachten, empfanden und fühlten, so gestalteten sie auch ihre Kunst; wer also verstehen will, wie die Bürger Athens und Roms lebten und liebten, kann dies aus ihrer Kunst lesen. Das großartige Werk Dr. Gaston Vorbergs sei in die Hand des Lesers mit der Empfehlung gelegt, es nicht gedankenlos zu durchblättern, sondern es als einen der vielen Schlüssel zum Verständnis des antiken Geisteslebens zu nutzen. Damit wird sich auch das Verstehen der gesamten abendländischen Kultur einstellen, deren Wiege in Athen und Rom stand.
Dr. Richard Wunderer


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