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Muehlestein .:. Europaeische Reformation

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Mühlestein, Hans, Europäische Reformation. Philosophische Betrachtungen über den moralischen Ursprung der politischen Krisis Europas. Leipzig [1918].
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Mühlestein, Hans,
Europäische Reformation. Philosophische Betrachtungen über den moralischen Ursprung der politischen Krisis Europas. Leipzig: Der Neue Geist-Verlag, [1918]. XXVIII, 261 Seiten. Broschur. Grossoktav.
* Die Reformation Band 4. - Gebräunt, Fadenheftung etwas gelockert, 2 Bogen ist lose, das vordere Deckblatt ist rückenseitig ca. 5 cm eingerissen.
Bestell-Nr.156717
Muehlestein | Politik | Europa Europe | Philosophie | Geschichtsphilosophie

VORWORT
Das vorliegende Buch wurde in allen wesentlichen Teilen niedergeschrieben in der Zeit von Oktober 1916 bis Juni 1917. Es hat bereits ein bewegtes Schicksal hinter sich, das in den Kriegsumständen begründet ist.
Das Buch ist die dritte meiner Kriegsschriften. Die erste von ihnen (,‚Deutschlands Sendung‘, September 1914) stehe ich nicht an, hier ausdrücklich zu widerrufen. Dies zwar nicht, weil ich als Schweizer darin meiner unveränderlichen Sympathie für die deutsche Kultur warmen Ausdruck verlieh, sondern weil die Schrift unter dem unmittelbaren Eindruck des Kriegsausbruchs, den ich in Deutschland miterlebte, niedergeschrieben wurde, was mich zu allzu einseitigen und ungerechten Urteilen über die Politik und die Kultur anderer Nationen verleitete.
Meine zweite Kriegsschrift (»Der Vorrang der deutschen Staatsidee und ihr Sieg in Europa«, Oktober 1915) ist eine Apologie der Idee eines stark geführten Bundesstaates als des Leitgedankens einer künftigen politischen Gestaltung Gesamteuropas. In der Einschätzung der deutschen Bundesstaatsidee — einer Einschätzung, die deren prinzipielle Struktur, nicht ihre zufällige historische Form betrifft — bin ich vollkommen einig mit der für einen realpolitischen Pazifismus grundlegenden Theorie des italienischen Pazifisten Umano. Ich kann meine zweite Kriegsschrift also auch heute noch in ihrem ganzen grundsätzlichen Gehalt aufrechterhalten. In ihr vollzog ich die entscheidende Verschiebung meines politischen Standpunktes in der Richtung des übernationalen Ideals, die für meine vorliegende dritte Kriegsschrift grundlegend geworden ist. ..
Wie sehr wünschte ich nun, daß dieses heute vorliegende Buch durch die seitherige politische Entwicklung Europas überflüssig gemacht worden wäre! Dem ist leider nicht so. Vielmehr hat jeder Tag, jede Stunde inzwischen immer aufs neue den Beweis erbracht, daß nur auf dem hier gewiesenen Wege die europäische Kultur der immer drohenderen Gefahr völliger Vernichtung entrissen werden kann.
Und hier soll allerdings ein bestimmter, eindeutiger Weg — und dieser als der einzige — nachgewiesen werden, auf dem wir das allgemeine Ziel einer neuen Reformation zweckmäßig erstreben können, das Ziel nämlich: alle Politik endlich entschlossen auf die Grundlage unerschütterlicher Rechtsprinzipien zu stellen und von dieser festen Basis aus zu einer planmäßigen ethisch-rechtlichen Organisierung des gesamten Völkerlebens vorzudringen.
Hier soll nicht nur die Notwendigkeit und die Möglichkeit, sondern die Existenz einer wissenschaftlichen Ethik und philosophischen Politik in unserer jüngsten Geistesgeschichte nachgewiesen und überdies gezeigt werden, wie der feste Strang zwischen Ethik und Politik geknüpft werden kann.
Weigert sich das Zeitalter abermals — wie schon das vor hundert Jahren — seine Politik dem, übrigens nunmehr in der ethischen Wissenschaft sonnenklar ausgesprochenen, Gebot der Vernunft zu unterwerfen, gelingt es uns also wiederum nicht, unserer bloß technischen Zivilisation, die den Weltkrieg nicht zu verhindern vermochte, eine echte moralische und rechtliche Kultur als Lenkerin und Wächterin überzuordnen: dann haben wir — der jetzt die Erde beherrschende europäische Zweig der Menschheit — den endgültigen Beweis erbracht, daß wir die innere Kraft nicht besitzen, die Bestimmung des Menschentums zu erfüllen, eine wahre Kultur zu entwickeln und ihr menschheitserzieherische Bedeutung und geschichtliche Dauer zu verleihen. Diese Aufgabe mag dann vielleicht in ferner Zeit einem anderen Zweig der Menschheit zufallen. Wir aber sind alsdann verdammt, dem Völkertod zu verfallen, wie so viele frühere Völker und Völkerfamilien, die an dieser Aufgabe scheiterten. Mit all unserer zivilisatorischen Scheinkultur, mit der wir die edleren Ansätze zu einer echten Kultur bereits seit einem Jahrhundert Schritt für Schritt verdrängt haben, werden wir dann im Dunkel der Geschichte verschwinden, auf dem Wege kriegerischer Erschütterungen, zu denen der heutige Weltkrieg dann nur die Höllenpforte bilden wird.
Noch besteht die Hoffnung, daß der Krieg in hinreichend Vielen das Gewissen für die vernünftige Bestimmung des Menschengeschlechts wieder wachrüttelt. Wächst auf der einen Seite die Verzweiflung, so auf der anderen doch auch die Sehnsucht, einen menschenwürdigen Zustand im Völkerleben herbeiführen zu helfen. Solange diese Sehnsucht aber nicht einen klar durchdachten, genau angebbaren Weg gehen lernt, bleibt sie schwärmerisch, utopisch und darum für die Politik unfruchtbar. Möge es meinem Buch gelingen, dem ernsten Willen Tausender, vor allem der zum Führen Berufenen im jungen Geschlecht, einen solchen Weg zu weisen zu einheitlicher, vernünftig-zweckvoller und unerschütterlich entschlossener Tat im Dienste der Rechtsverwirklichung!
Red. Samuel Hess, Comenius-Antiquariat.

Die vorliegende Schrift widme ich unserem weisen chinesischen Zeitgenossen Ku Hunc-Mınc. Er hat in seinem Buche »Chinas Verteidigung gegen europäische Ideen« (Jena 1911) dem moralischen Elend der europäischen Politik auf den Grund geleuchtet wie kein zweiter politischer Schriftsteller der Gegenwart und hat Europa damals das Geschick vorausgesagt, von dem es nun ereilt worden ist. Und er hat in seiner während des Kriegs geschriebenen Schrift »Der Geist des chinesischen Volkes und der Ausweg aus dem Krieg« (Jena 1916) eine hoch über allen Schranken der Rasse, Klasse und Nation stehende Gerechtigkeitsliebe bewiesen, die für uns Europäer nur ein Gegenstand der Verehrung und der Nacheiferung sein kann.
Aber nicht allein diese allgemeine moralische Einstellung auf die Probleme der Zeit ist es, was mich in solchen Gefühlen dem chinesischen Autor verbindet. Vielmehr kommt eine in seltenem Grade ausgeprägte Übereinstimmung auch in bezug auf das philosophische Grundprinzip hinzu, das jene allgemeine moralische Einstellung bedingt. Es ist, kurz gesagt, das Prinzip des Selbstvertrauens der Vernunft, das uns die gemeinsame Front im Kampf der Zeit anweist: die Front gegen den Götzendienst der Willkür, der unsere ganze Politik verpestet, eine Front, die für uns demselben Prinzip zufolge eine doppelte ist: einerseits die Front gegen die äußere Willkür, gegen die auf zufälliges Herkommen gegründete, die Vernunft durch Gewalt darniederhaltende Autorität — andererseits die Front gegen die innere Willkür, gegen die Selbstüberheblichkeit des bloßen Intellekts, des gefühl- und verantwortungslosen Verstandes, gegen die alle Vernunftordnung von innen her zerstörende Skepsis; einerseits also gegen Mystizismus, Absolutismus und Autokratie — andererseits gegen Relativismus, Libertinismus und gegen den blinden Glauben an die Masse, die Demokratie.
Unser Glaube gilt der Vernunft. In unseren Augen hat auch in der Politik nichts und niemand Anspruch auf Souveränität, das heißt auf uneingeschränkte Selbstherrlichkeit, als eben die Vernunft. Für sie, für ihre Freiheit, und das heißt für eine Gesellschaftsordnung, die der Vernunft entspricht, stehn wir im Kampfe gegen die Mächte der Despotie und der Anarchie, die — die eine immer die andere aus sich gebärend — auf beiden feindlichen Fronten sich wechselseitig in der Führung ablösen. An Stelle des hohlen kommerziellen Schein-Liberalismus der neueren Zeit — der nur die heuchlerisch verschleierte Anarchie der brutalen Willkür auf allen Gebieten des Öffentlichen Lebens ist —, wollen auch wir jenen hohen ideellen Vernunft-Liberalismus eines Konfuzius, eines Kant in sein Recht als Bahnbrecher für eine neue, autonome rechtliche Ordnung der Menschheit wiedereinsetzen helfen.
Möchte den verehrungswürdigen chinesischen Vorkämpfer für eine neue moralische Weltkultur, der auf fernem, einsamem Posten prophetisch in die Zukunft sieht, dieser Zuruf erreichen, der von Brüdern und Jüngern im Geiste ausgeht, die, nicht weniger einsam, wie auf einer Insel leben, die ein Ozean von Blut heute noch in jedem Augenblick hinwegzuschwemmen droht. Möchte ihm, wie uns, das Werk, von dem auf diesen Blättern die Rede ist, die Morgenröte eines neuen Zeitalters und die Verheißung eines neuen Geschlechts bedeuten, das sich heute — mitten im Herzen des sich selbst vernichtenden alten Europa — ans Licht zu ringen beginnt; eines Geschlechts, das entschlossen ist, jener neuen moralischen Weltkultur zum Siege zu verhelfen, die sich seit mehr als einem Jahrhundert, abseits von der Geschichte, ın den prophetischen Gemütern der Edelsten der Menschheit vorbereitet.
Göttingen, am 1. August 1918
Hans Mühlestein.
INHALTSUBERSICHT
Vorwort . . . . . VII—XI
Inhaltsübersicht . . XII—XV
Zur Einführung . . xvl—xxvlll

Erstes Kapitel:
DIE EINHEIT EUROPAS. 1—20
Die religiöse Einheit des Mittelalters und die Entstehung der nationalen Volkstümer; die asiatische Gefahr 3—-8
Die großrussische Gefahr 8 -—12
Kulturelle Individuation und politische Synthese. . 12—-14
Das Lenkeramt der Wissenschaft und die Religion; religiöse, wissenschaftliche, ethische und politische Einheit . . 14 —20

Zweites Kapitel:
ÜBER DEN GRUND DES MISSLINGENS DER BISHERIGEN REFORMATIONEN (VERNUNFT UND RECHT IN DER GESCHICHTE) . . 21—-65
Die Ausnahme: die Reformation der Kultur und Politik Chinas durch die Ethik des Konfuzius . . . . 23—26
Die Reformation der kirchlichen Weltordnung durch Luther — Stückwerk; Reformation und Gegenreformation; Luthers Tragik 26—36
Die Emanzipation der Wissenschaften von der Kirche und die Reformation der Philosophie und der philosophischen Politik durch Kant und Fries ; erster Versuch einer Vernunftgesetzgebung für das Völkerleben 36—50
Die Französische Revolution und ihr Untergang in Anarchie und Despotie ; Revolution und Reaktion ; vom Gipfel der Aufklärung zum Abgrund des Weltkriegs 50—61
Die Liquidation der Weltgeschichte ; Postulat der Vollendung des europäischen Reformationsprozesses 61—65

Drittes Kapitel:
ÜBER DIE GRUNDVORAUSSETZUNG DES GELINGENS EINER NEUEN REFORMATION (PHILOSOPHIE UND POLITIK) 67 -—210
Die Ohnmacht der zeitgenössischen Schulphilosophie gegenüber den Problemen des Völkerlebens 69—75
Ihre Folge : die Ziellosigkeit und die Zersplitterung der Kräfte des Fortschritts . 75—81
Das am Turm der euroéäischen Zivilisation fehlende Fundament: eine wissenschaftliche Philosophie, eine autonome Ethik; die technische und die ethische Hälfte der Kultur 81—86
Die romantisch-philosophische Anarchie Fichte-Schelling-Hegelscher Herkunft als Wurzel der ethisch-politischen Anarchie 86—99
Die Notwendigkeit einer Revision unserer Bildungsgeschichte, insbesondere der Geschichtsschreibung der Philosophie im 19. Jahrhundert (eine Geschichtsfälschung ; ein tragischer Irrtum Kants ; der Retter der kritischen Philosophie: Jakob Friedrich Fries; über Schicksal und Zukunft der kritischen Philosophie; System der Natur und System der Vernunft) . 99 —-110
Die philosophische Politik von Jakob Friedrich Fries (Postulat der Überwindung der modernen Scholastik und Mythologie durch die wissenschaftlich-kritische Philosophie von Kant und Fries ; Fries als Begründer eines wissenschaftlichen Sozialismus, seine Wirtschafts- und Sozialpolitik; seine Kulturpolitik als Politik der Geistesfreiheit; seine Völkerrechtspolitik als Politik der Pazifierung des Völkerlebens) 111—122
Leonard Nelsons Wiederherstellung und Fortbildung der kritischen Philosophie, seine Grundlegung der Ethik und der philosophischen Politik als Wissenschaft 122—203
Überblick über Nelsons Stellung in der Zeit und über sein Lebenswerk 122—128
Nelsons Wiederherstellung der Kontinuität der Philosophie als Wissenschaft 128 -—134
a) auf theoretischem Gebiet („Über das sogenannte Erkenntnisproblem") 129—131
b) auf praktischem Gebiet („Die kritische Ethik bei Kant, Schiller und Fries") 131—-134
Nelsons Wiederaufnahme der »Kritik der Praktischen Vcrnunft« und deren Bedeutung als wissenschaftliche Grundlegung jeder künftigen Reformation . 134—173
Über die Methode der Kritik der Vernunft . 143—148
Die Aufweisung und Sicherstellung des Rechtsbegriffs und die Deduktion des Rechtsgesetzes 148—167
Die Überwindung des rechtlichen Skeptizismus durch die Ergebnisse der Kritik der praktischen Vernunft 167—171
Ein Brief Nelsons an David Hilbert über das System der Ethik, die Mitteilung einer die Methode betreffenden Entdeckung enthaltend . . 171—173
Red. Samuel Hess, Comenius-Antiquariat.
Nelsons „Theorie des wahren Interesses und ihre rechtliche und politische Bedeutung" . . 173 —-185
a) für die Wirtschafts- und Sozialpolitik , , . 175 —-178
b) für die Kulturpolitik 178—183
c) für die Völkerrechtspolitik . . 184—185
Nelsons Reform der Völkerrechtswissenschaft („Die Rechtswissenschaft ohne Recht") 185—189
„Vom Beruf der Philosophie unserer Zeit für die Erneuerung des öffentlichen Lebens" 189—196
Nelsons Lehre von den Idealen 196-—203
Das Ideal des Rechtszustandes und das Ideal des positiven Kulturschaffens (Form und Inhalt der Kultur) 196—199
Ideal und Wirklichkeit 200—201
Das Ideal der Bildung und das Ideal der Selbsterziehung der Menschheit . 202—203
Die kritische Philosophie als Bahnbrecherin einer neuen Weltkultur ; die Wiederaufrichtung des platonischen Ideals der Herrschaft der Weisen 203—-210

Viertes Kapitel:
DIE HERRSCHAFT DER WEISEN . 211 -—261
Die Philosophie der Herrschenden 213—214
Wer ist der berufene Gesetzgeber und Regent? . 214 —220
Wer sind die Weisen ? 220 -—245
Kritik der Demokratie 220 -—227
Die Leidensgeschichte der Vernunft 227—230
Die Genialen und die Weisen 230—233
Die Lehre vom Glauben an die Vernunft (Ku Hung-Ming und Nelson; Kritik des Liberalismus) 233 —-240
Die Erziehung der Weisen 240—245
Die Partei der Vernunft (Wille und Weltgeschichte) . 245—258
Die Organisation der Autorität (Militarismus, Kapitalismus und Klerikalismus) . . 247 —251
Die Organisation der Vernunft (das Prinzip der Führerschaft: das vernünftige Gegenstück zum Prinzip der Autorität) 251—258
Die Erweckung des jungen Geschlechts 258—261

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