Jevons, William Stanley,
Die Theorie der politischen Ökonomie. Jena: Fischer, 1924. LXVIII, 280 Seiten mit Literaturverzeichnis. Broschiert.
* Sammlung sozialwissenschaftlicher Meister, 23. - Originaltitel: Theory of political Economy; aus dem Englischen und eingeleitt von Otto Weinberger. - Ungelesen / nicht aufgeschntten. - Gebräunt, Umschlag angestaubt.
Bestell-Nr.161645
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William Stanley Jevons markierte mit seinem Hauptwerk «Die Theorie der politischen Ökonomie»(Original 1871) einen radikalen Wendepunkt in der Wirtschaftsgeschichte: den Übergang von der klassischen zur neoklassischen Theorie. Jevons brach mit der Arbeitswertlehre von Adam Smith und David Ricardo und setzte stattdessen auf den subjektiven Nutzen als Fundament allen ökonomischen Handelns. Er definierte den Wert eines Gutes nicht durch die zu seiner Herstellung aufgewendete Mühe, sondern durch das Mass an Befriedigung, das die letzte konsumierte Einheit eines Gutes verschafft – das Konzept des Grenznutzens.
Jevons’ Ansatz war konsequent mathematisch geprägt, da er die Nationalökonomie als eine Form der Mechanik des Nutzens und des Eigeninteresses verstand. In seinem Werk führt er aus, dass der Tauschwert eines Gutes direkt vom «Grad der Nützlichkeit» abhängt, wobei dieser Grad mit zunehmender Sättigung abnimmt. Diese Erkenntnis, heute als das erste Gossen’sche Gesetz bekannt, bildete die Basis für seine Preistheorie und die Analyse von Marktgleichgewichten. Jevons’ Pionierarbeit im Bereich der mathematischen Modellierung und seine statistischen Untersuchungen zu Konjunkturzyklen machen ihn zu einem der Gründerväter der modernen Ökonometrie und Mikroökonomie.
Zentrale Konzepte
Grenznutzen (Final Degree of Utility): Der Wert wird durch die Sättigung bestimmt; je mehr man von etwas hat, desto geringer ist der Nutzen der nächsten Einheit.
Mathematisierung: Die Verwendung von Differentialrechnung zur Beschreibung ökonomischer Prozesse.
Tauschtheorie: Die Analyse, wie Individuen Güter tauschen, um ihren Gesamtnutzen zu maximieren.
Kontext der deutschsprachigen Rezeption
Während Jevons in England publizierte, entwickelten Carl Menger in Österreich und Léon Walras in der Schweiz zeitgleich ähnliche Theorien. Zusammen bilden sie die «Grenznutzenschule». Die Rezeption von Jevons im deutschsprachigen Raum, oft über Verlage wie Gustav Fischer in Jena verbreitet, festigte das Verständnis der Ökonomie als exakte, mathematische Wissenschaft.
Das Inhaltsverzeichnis gliedert sich in acht Kapitel sowie einen Anhang und umfasst folgende Abschnitte:
I. Kapitel: Einführung
- Einleitung – 1
- Mathematischer Charakter der Wissenschaft – 2
- Irrige Auffassungen über das Verhältnis der Mathematik zu den exakten Wissenschaften – 5
- Möglichkeit genauer Messungen – 7
- Messung von Gefühlen und Beweggründen – 11
- Logische Methode der Volkswirtschaftslehre – 15
- Verhältnis der Volkswirtschaftslehre zur Ethik – 21
II. Kapitel: Theorie der Lust- und Unlustgefühle
- Lust und Unlust als Quantitäten – 27
- Unlust: ein negatives Lustgefühl – 31
- Vorausgefühle – 32
- Unsicherheit zukünftiger Ereignisse – 34
III. Kapitel: Theorie des Nutzens
- Erläuterung der Begriffe – 36
- Die Gesetze der menschlichen Bedürfnisse – 38
- Nutzen ist keine innewohnende Eigenschaft – 42
- Gesetz der Veränderung des Nutzens – 44
- Gesamtnutzen und Nutzengrad – 48
- Veränderung des Grenznutzengrades – 50
- Negative Nutzens- und Gutsgröße – 55
- Theorie der Dimensionen wirtschaftlicher Quantitäten – 59
- Wirklicher, voraussichtlicher und möglicher Nutzen – 66
- Verteilung eines Gutes auf eine Zeit – 68
IV. Kapitel: Theorie des Tausches
- Bedeutung des Tausches in der Wirtschaft – 72
- Mehrdeutigkeit des Begriffes „Wert“ – 73
- Volkstümlicher Gebrauch des Wortes „Wert“ – 75
- Dimension des Wertes – 79
- Begriff des handeltreibenden Körpers – 84
- Das Gesetz der Unterschiedslosigkeit – 87
- Die Theorie des Tausches – 91
- Mathematische Darstellung der Theorie – 94
- Ähnlichkeit mit der Theorie des Hebels – 97
- Hindernisse beim Tausche – 102
- Beispiele der Theorie des Tausches – 103
- Probleme in der Theorie des Tausches – 106
- Verwickelte Fälle der Theorie – 109
- Wettbewerb beim Tausche – 111
- Versagen der Tauschgleichungen – 112
- Negativer und Nullwert – 120
- Gleichwertigkeit der Güter – 127
- Nutzenszuwachs der Güter – 130
- Der Gewinn beim Tausche – 134
- Zahlenmäßige Bestimmung der Gesetze des Nutzens – 138
- Meinungen bezüglich der Preisveränderung – 140
- Veränderung der Kornpreise – 144
- Der Ursprung des Wertes – 152
V. Kapitel: Theorie der Arbeit
- Begriff der Arbeit – 158
- Quantitative Begriffsmerkmale der Arbeit – 161
- Mathematische Darstellung der Theorie – 165
- Dimensionen der Arbeit – 168
- Gleichgewicht zwischen Bedarf und Arbeit – 170
- Verteilung der Arbeit – 173
- Verhältnis der Arbeits- zur Tauschtheorie – 176
- Beziehungen ökonomischer Quantitäten – 179
- Verschiedene Fälle der Theorie – 182
- Gemeinsame Produktion – 186
- Überproduktion – 191
- Grenzen der Arbeitsintensität – 192
VI. Kapitel: Theorie der Rente
- Angenommene Meinungen betreffend die Rente – 198
- Mathematische Darstellung der Theorie – 202
- Erläuterungen der Theorie – 206
VII. Kapitel: Theorie des Kapitals
- Die Funktion des Kapitals – 209
- Beziehung zwischen Kapital und Zeit – 211
- Quantitative Begriffsmerkmale des Kapitals – 215
- Ausdruck für die Größe der Anlage – 219
- Dimensionen von Kapital, Forderung und Schuld – 220
- Wirkung der Dauer des Werkes – 222
- Beispiele von Kapitalanlagen – 224
- Festes und umlaufendes Kapital – 228
- Gleichförmigkeit des Zinsfußes – 230
- Allgemeiner Ausdruck für den Zinsfuß – 231
- Dimension des Zinses – 232
- Peacock über die Dimensionen des Zinses – 235
- Streben der Gewinne nach einem Minimum – 238
- Vorteil des Kapitals für die Industrie – 241
- Sind Gegenstände in den Händen der Verbraucher Kapital? – 243
VIII. Kapitel: Schlußbemerkungen
- Die Bevölkerungslehre – 250
- Beziehung zwischen Löhnen und Gewinn – 251
- Professor Hearn’s Ansichten – 257
- Der schädliche Einfluß des Autoritätsgedankens – 258
Anhang
- Verzeichnis mathematisch-volkswirtschaftlicher Bücher, Abhandlungen und anderer veröffentlichten Schriften – 262
- Zusätze und Berichtigungen des Übersetzers – 279–280