Sternberg, Fritz,
Krise und Aussenhandel. Jena: Gustav Fischer, 1929. Seiten 248-273 und 227-243. Broschiert. Grossoktav. 235 x 160 mm.
* Sonderabdruck aus: Weltwirtschaftlichen Archiv, Band 29, Heft 2. - Anhang: "Der Aussenhandel der 4 Welthandelsvölker, Japans und Britisch-Indiens in der Vor- und Nachkriegszeit". - Gebräunt.
Bestell-Nr.161664
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Das Erscheinungsjahr 1929 ist für Sternbergs Schaffen von besonderer Bedeutung, denn in diesem Jahr veröffentlichte er auch sein grösseres Werk "Der Imperialismus und seine Kritiker", das als unmittelbare Antwort auf die Diskussionen um sein erstes Hauptwerk "Der Imperialismus" von 1926 entstand. Sternberg, der 1895 in Breslau in eine jüdisch-bildungsbürgerliche Familie hineingeboren wurde, hatte nach seinem Studium der Nationalökonomie in Breslau und Berlin und einer Promotion 1917 über "Die Juden als Träger einer neuen Wirtschaft in Palästina" zunächst eine Universitätslaufbahn in Frankfurt am Main begonnen, diese jedoch nach einem Zerwürfnis mit seinem Lehrer Franz Oppenheimer aufgegeben, um sich ab 1923 ganz der Analyse des modernen Imperialismus zu widmen.
Die Schrift "Krise und Aussenhandel" steht im Kontext von Sternbergs intensiver Auseinandersetzung mit den Krisentheorien des Kapitalismus, die stark von Rosa Luxemburg inspiriert war. Seine zentrale These, die er bereits im "Imperialismus" entwickelt hatte und die er auch in diesem Aufsatz weiterverfolgte, lautete, dass die Arbeiterklasse Westeuropas und Amerikas zwar zeitweilig Reallohnsteigerungen erfahren habe, dass aber die wirtschaftlichen Krisen zwangsläufig an Schärfe zunehmen und zu wachsender Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen führen würden. Diese Analysen stiessen in der sozialistischen Bewegung auf grosse, teils kritische Aufmerksamkeit. Die offizielle Presse der deutschen und russischen kommunistischen Parteien wies Sternbergs Thesen zurück, während sozialdemokratische Blätter sie ablehnten, weil sie nach Überwindung der Inflation auf einen langen Wirtschaftsaufschwung hofften.
Sternberg, der enge Beziehungen zu Künstlern wie Bertolt Brecht (der ihn als seinen "ersten Lehrer" bezeichnete), Lion Feuchtwanger und George Grosz unterhielt , wirkte in dieser Zeit als freier Publizist und veröffentlichte zwischen 1930 und 1933 allein 78 Beiträge in der renommierten Zeitschrift "Die Weltbühne". 1931 trat er der neugegründeten Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) bei, für deren linken Flügel er das wirtschaftspolitische Programm entwarf. Die hier vorliegende Untersuchung zu Krise und Aussenhandel aus dem Jahr 1929 ist somit ein charakteristisches Zeugnis von Sternbergs ambitioniertem Versuch, die ökonomischen Gesetzmässigkeiten des imperialistischen Kapitalismus zu ergründen und der Arbeiterbewegung ein theoretisches Rüstzeug für die Analyse der sich verschärfenden Weltwirtschaftskrise an die Hand zu geben.