Camus, Albert,
Verteidigung der Freiheit. Polit. Essays. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, 1968. 119 Seiten. Broschur. 84 g
* rororo; 1096. - Aus dem Französischen übertragen von Guido G. Meister
Bestell-Nr.155470
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ZU DIESEM BUCH
Wenn man diese Essays und Aufzeichnungen heute liest, dann packt einen aufs neue der Schmerz über den Verlust dieses Mannes, dann weiß man, warum die Nachricht von seinem jähen Tod weit über Frankreich hinaus und auch bei uns ein Erschrecken und eine Erschütterung auslöste, wie der Tod keines anderen Dichters es vermocht hätte. Die seltene Haltung — Beteiligtsein und Darüberstehen zugleich — zeichnen diese Aufsätze aus, ob sie nun von Spanien, Algerien, Ungarn oder von «Pessimismus und Tyrannei» handeln. Die Anlässe mögen zeitbedingt gewesen, mögen Historie geworden sein, die Art, über sie ins reine zu kommen, ist unverändert lebendig. Sie setzt uns ein für allemal ein Richtmaß. Sie zeigt, welche Souveränität der Mensch sich selbst und seinen Verhältnissen gegenüber gewinnen kann, ohne sich doch in eine hochmütige und verantwortungsfreie Distanz zurückzuziehen. Wir erfahren in diesen Schriften wiederum jene einzigartige Einheit von Ethos und Vernunft, von Lauterkeit und Klarsicht, von Integrität und Scharfsinn, die Camus gegeben war und die uns so not tut.
1957 hatte Albert Camus den Nobelpreis erhalten. Am 4. Januar 1960 kam er bei einem Autounfall ums Leben. — Camus wurde am 7. November 1913 als Sohn einer Spanierin und eines Elsässers in Mondovi/Nordafrika in kärglichen Verhältnissen geboren. Als Werkstudent besuchte er die Univerität Algier und schloß seine Studien mit einer Arbeit über Plotin und Augustin ab. In Algier gründete er eine einflußreiche Theatergruppe und ließ seine beiden ersten EssayBände erscheinen. Im Krieg wirkte er an einer Schule in Oran und schrieb in der illegalen Widerstandspresse. 1942 entstand die Erzählung «Der Fremde» (rororo Nr. 432), die bereits Camus' geniale Gabe zeigt, das Einzelschicksal ins Symbolische zu überhöhen. 1943 folgte «Der Mythos von Sisyphos» (rde Nr. 9o), in dem er seiner Vorstellung vom «Menschen, der, in einer absurden Welt auf sich selbst zurückgeworfen, dennoch durchhalten müsse», philosophischen Ausdruck gab. Sein berühmter Roman «Die Pest» (rororo Nr. 15) zeigt einen deutlich konstruktiven Pessimismus, dem es um ethische Maßstäbe geht. Sein 1949 veröffentlichter großer Essay «Der Mensch in der Revolte», eine historische Analyse der Revolutionen, brachte ihn in schärfste Gegnerschaft zu JeanPaul Sartre. Die 1956 erschienene Erzählung «Der Fall» und seine letzten Erzählungen «Das Exil und das Reich» zeigen Camus auf eigenem Weg zu einem nachchristlichen Selbstverständnis des Menschen, ein Weg, den er nicht mehr vollenden sollte. Auch in seinen Dramen (zusammen in dem Band «Dramen» im Rowohlt Verlag) erfaßte Camus die widerspruchsvolle Absurdität des Daseins und suchte sie zu überwinden. Die beiden Bände «Fragen der Zeit» und «Literarische Essays», die im Rowohlt Verlag erschienen sind, fassen die wichtigsten Essays von Camus zusammen. Im Rowohlt Verlag erschienen außerdem «Tagebuch I. Mai 1935 - Februar 1942» und «Tagebuch II. Januar 1942 — März 1951».
Literatur: Germaine Bre: Albert Camus — Gestalt und Werk (Rowohlt Verlag, 196o); Morvan Lebesque: Albert Camus (Rowohlts Monographien Nr. 50).
INHALT
DIE BEFREIUNG VON PARIS
Das Blut der Freiheit 9
Die Nacht der Wahrheit 10
RENE LEYNAUD
Rene Leynaud 15
Vorwort zu den Gedichten von Rene Leynaud 17
PESSIMISMUS UND TYRANNEI
Pessimismus und Mut 29
Den Geist hochhalten 32
WARUM SPANIEN?
Antwort an Gabriel Marcel 39
VERTEIDIGUNG DER FREIHEIT
Brot und Freiheit 47
Ehrung eines Verbannten 56
ALGERIEN
Vorwort zur Algerischen Chronik 67
Brief an einen algerischen Aktivisten 8o
Aufruf für einen Burgfrieden in Algerien 84
Algerien 1958 95
Das neue Algerien 100
UNGARN
Kadar hat seinen Tag der Angst erlebt 107
Der Sozialismus der Galgen 114