Feierabend .:. Vor hundert Jahren

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Feierabend, Maurus August, Vor hundert Jahren. Eine Geschichte aus der Stadt Luzern. St. Gallen 1870.
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Beschreibung
Feierabend, Maurus August,
Vor hundert Jahren. Eine Geschichte aus der Stadt Luzern. St. Gallen: Verlag von Altwegg-Weber zur Treuburg, 1870. 104 Seiten, Fraktursatz. Broschur. 100 g
* Altesspuren, gebräunt, 1 Bogen (S.3-14) lose.
Bestell-Nr.156467
Feierabend | Helvetica | Schweiz | Lucernensia | 1850-1899

Inhaltsverzeichniß.
1. Die Dissidenten . . . . . . . 1
2. Junge Liebe . . . . . . . . 9
3. Die Conföderirten . . · . . . 15
4. Spreuer vom Weizen . .« . . . . 21
5. Es naht der Sturm . . . . . . 27
6. Zweikampf und Schicksal . . . . 86
7. Der Sturm bricht los . . . . . 41
8. Sturz und Verhaftung . . . . . 48
9. Frauenweisheit . . . . . . . 58
10. Jn Gefangenschaft . . . . . . 64
11. Mannesworte . . . . . . . . 71
12. Gefahr und Vermittlung . . . . 77
13. Das schwere Opfer . . . . . . 85
14. Verbannung . . . . . . . . 96
15. Heimkehr . . . . . . . . . 100
Erstes Kapitel.
Die Dissidentem
Es ist Sonntag, der 19. Herbstmonat 1769. Lieblich warm Iächelt die Sonne vom blauen Himmel herunter auf die alte, thurmreiche Stadt Luzern und auf das schöne Gelände, welches mit seinen saftiggrünen Hügelreihen sie umrahmt. Jn lustigen Streifen hängt der Frühnebel noch drüben am finstern Bürgen, während er sich an der Rigi und am Pilatus bereits in duftigen Wolken aufgesponnen hat, die neckisch am blauen Himmelsbogen dahinsegeln und auf dem silberklaren Plan des ruhigen Sees sich wiederspiegeln. Der Hauch tiefen Friedens und festlicher Ruhe schwebt über dem reizenden Erdenwinkel, den die allgütige Natur zu einem Paradiese geschaffen zu haben scheint. Aber es scheint nur so. Die zügellosen Leidenschaften in den Herzen der Menschen trüben sein heiteres Glück. Der Morgengottesdienst in der Hofkirche ist zu Ende. Verklungen sind die erhebenden Töne der berühmten, großen Orgel und des herrlichen und harmonischen Geläutes, aber nicht so die eindringlichen Worte der donnernden Predigt des glaubenseifrigen Leutpriesters Gloggner. Man sieht es den aufgeregten Gesichtern der dichten Schaaren, welche aus den Pforten des zum Ersticken gefüllten majestätischen Tempels sich jetzt ergießen, gar wohl an, daß eine hochwichtige Frage eben ihre Herzen bewegt.
Und so ist es auch. Nicht umsonst hat der noch jugendliche Stadtpfarrer mit aller Macht seiner gewaltigen Beredsamkeit gegen die Verruchtheit des Unglaubens und der Freigeisterei geeifert, welche sich erfreche, in der gut katholischen und frommen Stadt Luzern ihr Schlangenhanpt zu erheben und dieselbe sogar schon an den Rand des Abgrundes gebracht habe. Mit Mißtrauen und Unwillen hatte man seit mehreren Jahren wahrgenommen, wie mehrere Mitglieder des täglichen Rathes, voraus Valentin Meier und seine Freunde Felix Baltasar, Kasimir Krus und Alfons Pfyffer kein Bedenken trugen, den jährlichen Versammlungen der helvetischen Gesellschaft in Schinznach beizuwohnen, deren Bestreben darin bestehe, allen Unterschied der Religion aufzuheben und das Gift unerhörter Neuerungen im Geheimen über die ganze Schweiz auszubreiten. In dieser verpönten Gesellschaft, welche selbst protestantische Regierungen für verdächtig und schädlich hielten, hatte Valentin Meier nach der überstürzten Hinrichtung des unglücklichen Rathsherrn Plazid Schumacher sogar im Mai 1765 den Vorsitz geführt und stund, wie man wohl wußte, mit protestantischen Vereinsmitgliedern seither in lebhaftem Briefwechsel. Vor wenig Wochen war sodann sehr emsig eine Flugschrift unter das Volk verbreitet worden mit dem Titel: »Reflexionen eines Schweizers über die Zuträglichkeit der Aufhebung und Beschränkung der regulären geistlichen Orden in der Eidgenossenschaft.« Gegen diese Schmähschrift hatte mit dem Stadtpfarrer und einigen andern glaubenseifrigen Geistlichen sich ganz besonders der Kapuziner Pater Prosper Regli, damaliger Stiftsprediger im Hof, erhoben, dieselbe als >religionsgefährlich« beim Rathe eingeklagt und auf erfolgten Anzug deren oberkeitliches Verbot bei hoher Buße erwirkt. Als sehr bezeichnende Antwort auf diese Maßnahme war sodann in gleicher Druckerei in der Stadt Zürich eine zweite Flugschrift erschienen, betitelt: ,,Widerlegung der Reflexionen eines Schweizers«, welche zwar anscheinend die Aufhebung der Klöster bekämpfte, dagegen aber mit beißender Satyre deren höchst nothwendige Reform empfahl. Das Erscheinen dieses zweiten Büchleins verdoppelte natürlich das Geschrei über Religionsgefahr und den Eifer für deren Schutz in den leicht erregbaren Gemüthern der kirchlich gesinnten Luzerner. Man schob die Büchlein ziemlich unverblümt den Schinznachern in die Schuhe, die man als Freidenker und Religionsspötter verlästerte, und unter ihnen ganz besonders den Rathsherrn Valentin Meier. Ebenso hervorragend durch geistige Begabung, wie durch unermüdlichen Fleiß und Beharrlichkeit, hatte dieser Mann in dem durch ihn bewirkten Sturze des unredlichen Seckelmeisters Schumacher und in dem Prozesse gegen dessen Sohn Plazid in dem kleinen Freistaate eine Macht erlangt, welche ihm den Zunamen »des Göttlichen« zuzog und die ihn die Staatszügel ganz nach Gutdünken leiten ließ. Aber mit der Macht des verhaßten Gegners war auch der Haß der gestürzten Familie Schumacher gestiegen, welche jeden Mißgriff des oft rasch und unüberlegt handelnden Machthabers eifrig aufgriff, um ihn als wirksameu Hebel zu seinem Sturze zu gebrauchen. […]
Feierabend, August, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)ext_link.jpg
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