Farner, Konrad,
Moskau in der Jahrhundertmitte. Tagebuch eines Schweizers 26. Dezember 1950 bis 16. Januar 1951. [Zürich]: Verlag der Gesellschaft Schweiz-Sowjetunion, 1952. 251 Seiten + Anhang mit Abbildungen. Englische Broschur. 219 x 145 mm.
Bestell-Nr.161573
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Konrad Farners (1903–1974) «Moskau in der Jahrhundertmitte» ist ein bedeutendes Dokument des Kalten Krieges in der Schweiz. Das Tagebuch schildert seine Reise vom 26. Dezember 1950 bis zum 16. Januar 1951 und bietet eine bewusst wohlwollende Sicht auf die sowjetische Hauptstadt unter Stalin. Als prominenter christlicher Marxist versuchte Farner, dem antikommunistischen Klima seiner Heimat ein positives Bild der UdSSR entgegenzusetzen, wobei er vor allem kulturelle Begegnungen und den sowjetischen Alltag thematisierte.
Die Veröffentlichung löste in der Schweiz heftige Kontroversen aus und zementierte Farners Ruf als politischer Aussenseiter. Sein Versuch, das Christentum mit dem Kommunismus zu versöhnen, führte schliesslich zu seiner gesellschaftlichen Isolation und gipfelte 1956 – nach dem Ungarn-Aufstand – in gewalttätigen Übergriffen auf sein Wohnhaus in Thalwil. Das Werk ist heute weniger als objektiver Reisebericht, sondern vielmehr als Zeugnis einer tiefen weltanschaulichen Spaltung und der damaligen Schweizer Gesinnungspolitik von Interesse.