Scheer, Maximilian [Geleitwort],
Der Holzschnitt im neuen China. Dresden: Sachsenverlag, 1951. 138 Seiten (Seiten 10 - 124 Abbildungen). Halbleinen mit Farbkopfschnitt und Schutzumschlag. 4to. 203251 x 203 mm.
* Kunst und Welt. - Schutzumschlag ausgeleiert, angestaubt und mit kleinen Rissen, Ecken leicht bestossen.
Bestell-Nr.161680
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Die vorliegende Einleitung beschreibt eine Sammlung chinesischer Holzschnitte, die in den letzten zwei Jahrzehnten vor ihrer Veröffentlichung – also etwa zwischen 1930 und 1950 – entstanden sind und während des chinesischen Freiheitskampfes unter Arbeitern und Bauern verbreitet wurden. Diese Bilder gelten als dokumentarische Zeugnisse des Leidens, Kampfes und Triumphs von fast fünfhundert Millionen Menschen und fungieren zugleich als „Heldengesang“ der Selbstbefreiung. Der Holzschnitt, eine in China seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. bekannte Technik, erlebte um 1930 eine künstlerische Wiedergeburt: Er wurde zur politischen Ausdrucksform, weil er kostengünstig, schnell reproduzierbar und für eine grösstenteils analphabetische Bevölkerung verständlich war. Als Initiator dieser Bewegung gilt Lu Hsün (Lu Xun), der den Holzschnitt förderte, da er im Gegensatz zu teuren Malutensilien auch armen Künstlern zugänglich war und in Zeiten der Revolution schnelle Wirkung entfalten konnte. 1937 wurde in Jenan, Nordchina, die „Kunstakademie Lu Hsün“ gegründet, an der eine Abteilung für Holzschnittkunst angegliedert wurde – ein Zeichen für die wachsende Bedeutung dieser Kunstform im Freiheitskampf. Die Werke entstanden oft unter schwierigen Bedingungen; die damalige Kuomintang-Regierung betrachtete sie als „gefährlich“, beschlagnahmte sie, verbot ihre Verbreitung und liess teilweise sogar Künstler verhaften oder ermorden. Dennoch setzte sich der Holzschnitt durch und wurde zu einem zentralen Medium der Volksaufklärung und Mobilisierung.
Die dargestellten Szenen reichen von Flucht und Unterdrückung über Kampf und Opfer bis hin zu Momenten der Befreiung und des Neuanfangs. Besonders hervorgehoben wird die Verbindung zwischen Kunst und Politik: Mao Tse Tung, selbst Dichter und Führer der Kommunistischen Partei, betonte die Aufgabe des Künstlers, alltägliche Erfahrungen in organisierte Form zu bringen, um das Volk zur Tat zu bewegen. Die Holzschnitte sollten nicht nur abbilden, sondern auch erziehen, motivieren und gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben. Gezeigt werden beispielsweise Szenen der Zusammenarbeit zwischen Bauern und Soldaten, der Verteilung beschlagnahmten Getreides oder der Begrüssung der Volksarmee durch die Dorfbevölkerung. Auch emotionale Momente – wie eine Mutter, die ihr Kind tröstet, während sie Getreide hält – werden eingefangen, um die menschliche Dimension des Kampfes sichtbar zu machen. Der Text stammt von Maximilian Scheer, der die Bilder als „unvergängliche Dokumente“ und „Warnsignale“ bezeichnet und ihre historische wie emotionale Kraft betont. Insgesamt dienten die Holzschnitte nicht nur der künstlerischen Expression, sondern waren ein gezieltes Instrument der politischen Bildung und nationalen Identitätsstiftung in einer Zeit tiefgreifender Umwälzungen.