Andersch .:. Efraim

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Andersch, Alfred, Efraim. Roman. Zürich 1967.
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Beschreibung
Andersch, Alfred,
Efraim. Roman. Zürich: Diogenes, 1967. 470 Seiten. Leinen mit Schutzumschlag. 630 g
* Erste Ausgabe. WG2/ 35. - Widmung von Walter Vogt. - Schwache Gebrauchsspuren, Schntt schwach stockfleckig, Schutzumschlag stark fleckig und beschädigt.
Bestell-Nr.155560
Andersch | Deutsche Literatur | Autographen


Klappentext

Das erzählende Ich dieses Buches, ein gewisser Georg alias George Efraim, ist ein Mann mittleren Alters, der in Berlin geboren wurde, als jüdisches Kind nach London gelangte, englischer Journalist wurde, eine Engländerin heiratete, sich von ihr trennte, als Reporter Asien bereiste und gegenwärtig, des Journalismus überdrüssig, als Korrespondent seines Blattes in Rom lebt.
Ist Efraim also ein politischer Roman ? Die Geschichte eines Emigranten, der >draußen vor der Tür< bleibt ? Manchmal hat es den Anschein, wenn man etwa in den Reflexionen des Helden plötzlich auf ein scharf gezeichnetes Porträt von Franz Josef Strauss stößt, oder auf die Beschreibung eines Ganges durch Ost-Berlin. Doch deutet allein schon die weiträumige Anlage, die intensive Verflechtung von Zeiten und Orten, das Auftauchen und Verschwinden lebendig-glaubwürdiger Gestalten in ihnen auf mehr und anderes.
Zwar spielt, wie in allen Büchern von Alfred Andersch, auch in diesem Porträt eines europäischen Intellektuellen die Zeitgeschichte und die Kritik an der Gesellschaft eine gewisse Rolle. Aber jener Georg Efraim, der es schreibt, interessiert sich eigentlich nur für seine Privatangelegenheiten. Er möchte herausfinden, warum ihm sein Beruf keinen Spaß mehr macht, warum seine Ehe gescheitert ist, und wo und wie er eigentlich leben soll. Da es ihm unmöglich ist, an das Schicksal zu glauben, da er dem Willen nur wenig Bedeutung beimißt und lieber beobachtet, wie der Zufall die Welt und sein eigenes Leben regiert, findet er für seine Fragen keine Lösungen. Stattdessen zwingt ihn der Prozeß des Schreibens, seine geistigen und physischen Eigenschaften rücksichtslos aufzudecken, denn immer ist, wie er erkennt, die Wahrheit im Besitz des Buches. So dient auch Sexualität diesem Buch nicht als Gag, sondern ist in die Figur Efraims vollständig und unerbittlich eingeschlossen.

In einem Interview hat Alfred Andersch erklärt: »Wenn man sich entschließt, ein Buch in der ersten Person Singular zu schreiben, dann erlebt man, daß man nach einiger Zeit nichts mehr weiter ist als der Protokollant dessen, der da berichtet. Vielleicht habe ich zu Beginn noch daran gedacht, in diesem Mann eine Art Kunstfigur zu erschaffen, aber im Verlauf dreier Jahre hat der bedauernswerte Held dieser Aufzeichnungen meine diesbezüglichen Absichten gründlich durchkreuzt. Ich bin heute allen Ernstes der Ansicht, daß nicht ich, sondern er sie geschrieben hat. «

Dies ist die Geschichte eines Schriftstellers, der mit seinem Buch, eines Mannes, der mit seinem Leben an einem Tisch sitzt, pokert und verliert. Verliert er wirklich? Dies zu entscheiden bleibt dem Leser überlassen.
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