[Gončarov, Ivan Aleksandrovič] I. A. Gontscharow,
Oblomow. Roman. Leipzig: List, 1951. XVIII, 693 Seiten. Dünndruck. Leinen Farbkopfschnitt und mit Schutzumschlag. 195 x 130 mm.
* Übersetzt von R. von Walter. Mit einer Einleitung von Walther Victor. - Gebräunt, Schutzumschlag mit kleinen Rissen.
Bestell-Nr.161541
Gontscharow |
Russische Literatur
I. A. Gontscharow (1812-1891) gehört in die Reihe der grossen Realisten der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Sein Schaffen ist nicht sehr bedeutend an Umfang, aber gewichtig an Qualität. Der „Oblomow" ist der mittlere und dabei zugleich bedeutendste seiner drei grossen Romane. Er erschien 1859, erregte sofort ausserordentliches Aufsehen und begründete den Weltruhm des Dichters.
Es geschieht nicht viel in diesem Roman, darauf hat schon die zeitgenössische Kritik hingewiesen: Oblomow liegt auf dem Faulbett, schmiedet Pläne, verliebt sich. Olga liebt ihn wieder, erkennt aber schliesslich, dass ihre Liebe ein Irrtum war, und heiratet seinen Freund Stolz. Oblomow verbindet sich mit seiner Hauswirtin und beschliesst in einem ereignislosen Dahindämmern sein untätiges Leben. Olga und Stolz aber, einem rastlos schaffenden Leben zugewandt, werden seinen Sohn zu Tätigkeit und sinnvoller Arbeit erziehen und damit das „Oblomowtum" des Vaters überwinden helfen.
In den einfachen Rahmen dieser Handlung stellt Gontscharow ein unendlich reiches Spiegelbild des gesellschaftlichen Lebens der Zeit. Seinen Oblomow gestaltet er zum bequemlichen, trägen Typus des gutsherrschaftlichen Grundbesitzers seiner Zeit schlechthin. In der Faulheit und Weichheit Oblomows, in seinem Hang zum Essen und zur Behaglichkeit, kennzeichnet er jenes Russland um die Mitte des 19. Jahrhunderts, in dem das adlige Grundbesitzertum noch ohne eigene Arbeit und Anstrengung der Kräfte Nutzen aus der Leibeigenschaft der Bauern ziehen konnte.
Der Typus „Oblomow" wurde durch Gontscharows Roman zu einem Symbol.
Das „Oblomowtum" formte sich im russischen Leben zu einem feststehenden, scharf umrissenen Begriff aus. Es zu überwinden, war Aufgabe der Entwicklung: dem modernen Leser erscheint die Gestalt Oblomows geradezu als der Gegentyp des heutigen aktiven, freudig handelnden und der Gegenwart zugewandten sowjetischen Menschen.
Gontscharow erfüllt die Gestalten des Romans mit prächtigem Leben. Scharfblickend und mit feinster Beobachtung und Darstellungskunst hat er die Charaktere herausgearbeitet. Neben Oblomow stellt er die klare, zielsichere Olga, den praktischen, klugen und arbeitsfreudigen Stolz und eine Fülle von anderen lebensechten Gestalten und schafft Bilder und Szenen von unvergesslicher Leuchtkraft.
Der berühmte russische Roman, den der Paul List Verlag bereits 1928 in seiner Epikonreihe veröffentlichte, gehört bis heute zum grossen Erbe der Weltliteratur.